Den Jahrhunderten entgegen

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Das Wort Entwicklungsländer suggeriert, dass in diesen Ländern eine Entwicklung stattfindet. Richtig? Heißt das dann im Umkehrschluss, dass es in den anderen Ländern keine Entwicklung gibt? Das wäre traurig. Was ich durch Beobachtungen gerne eingestehe ist, dass die Entwicklung in den Entwicklungsländern zeitverzögert zu denen in den Industrieländern (das ist ja wohl das Gegenstück dazu) stattfindet.
Die Entwicklung der Familie steuert in den Industrieländern eindeutig auf die Kleinstfamilie, wenn nicht sogar Single-Haushalte. In den Ländern, die sich erst noch entwickeln müssen, da sie ja noch nicht fertig sind, wie die anderen, gibt es noch die Großfamilien. Neben einigen Vorteilen, sind mir die Nachteile durch eigene Anschauung durchaus bewusst. Im Englischen heißen sie extended families im Gegensatz zu den nuklear families. Jedes Kind träumt davon in einer nuklear family aufzuwachsen, doch aus wirtschaftlichen Gründen geht das in der Regel nicht.
Auch gekocht wird gerne noch wie bei uns Anfang des letzen Jahrhundert, auf dem offenen Feuer, nicht überall, aber noch sehr häufig.
Dann gibt es wieder andere Phänomene, in denen die sich Entwickelnden (die Bewohner der Entwicklungsländer) Stadien der Entwicklung überspringen. So hatte bei uns fast jeder nach der Erfindung des Telefons über Jahrzehnte ein Haustelefon mit einer Festnetznummer. Diese Telefone waren hier bei Privatpersonen nur sehr kurz im Einsatz, weil inzwischen so gut wie jeder ein Handy besitzt. Nur in einigen Firmen ist das Festnetz noch anzutreffen. Da sind die sich Entwickelnden den Industriellen sogar etwas voraus.
In den Industrieländern entstehen zu den neuen Erfindungen immer auch eine Verarbeitungs- und ganz wichtig, auch eine Entsorgungsindustrie. Aber ein richtiges Problem ist es, wenn die Industrieprodukte zwar ins Land kommen, aber die Entsorgung nicht gewährleistet ist. So gelangen Millionen von Plastiktüten in Länder, in denen sie nicht mehr entsorgt werden können, da es keine Müllverbrennungsanlagen gibt. So wird der Plastikmüll kurzerhand auf dem eigenen Grundstück verbrannt. Dieser Prozess beginnt zwar sehr industriell, indem jedem, bei jeder Gelegenheit Plastiktüten angeboten werden, endet dann aber sehr unterentwickelt. Und genau dieser Spagat, und es gibt noch weit mehr Beispiele ist so kontraproduktiv für das Land und besonders für die Gesundheit der Bewohner.

So müssen wir leider feststellen, dass Entwicklungsstufen zu überspringen, nicht immer zu den besseren Ergebnissen führt.

Wer hier eine Idee für eine Lösung hat, darf mir gerne schreiben.

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