Schuld sind immer die anderen

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Ist es Erziehung, oder Selbstschutz wenn der Satz fällt: „Ich war’s nicht, der andere war’s.“ Ein Phänomen, dass unter Kindern üblich, bei Erwachsenen in etwas eleganterer Form jedoch auch hin und wieder zu hören ist.

Was ist eigentlich so schwer daran Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen? Wie bewußt gehen wir eigentlich noch mit unserem eigenen Handeln um. Ich liebe Menschen, die bewußt Entscheidungen treffen, sich Gedanken über ihr Tun machen und an Konsequenzen ihres Handelns denken. Doch im immer schneller werdenden Alltag geht die Reflektion über das eigene Handeln dann wohl unter. Es ist Zeit für Entschleunigung. Können wir hier vielleicht etwas von anderen Kulturen lernen?

Wie oft habe ich beobachtet und war dann auch oft peinlich berührt, wenn ich stolpere, sagt meine Begleitung „sorry“, wenn ein Stift herunter fällt „sorry“, selbst wenn du dich verschluckst „sorry“. Es ist auf jeden Fall ein Zeichen von Mitgefühl. Warum fällt es dann aber so schwer, wenn wir eine Person wirklich verletzt haben, körperlich oder seelisch, uns zu entschuldigen (Übersetzt: uns unserer Schuld zu entledigen) und zuzugeben, dass wir einen Fehler gemacht haben.

Im Geschäftsleben kann man dafür ganz klassische Beispiele finden. Wer schon einmal in einer Mahnabteilung gearbeitet hat weiß, wovon ich rede.

Ein Kunde zahlt nicht, erste Mahnung, zweite Mahnung, dritte Mahnung. Nichts passiert. Dann kommt in der Regel ein Inkassoverfahren mit Pfändungsbeschluss. Für alle Seiten höchst unangenehm. Von guten Kommunikationstrainern habe ich gelernt, wie es auch anders gehen kann. Spätestens nach der 2. Mahnung greift man zum Telefon und ruft den säumigen Kunden an. Da auch für ihn die Sache normalerweise höchst unangenehm, wenn nicht gar peinlich ist, reagieren sie eher kleinlaut. Würden wir jetzt mit der Haudrauf-Methode kommen, fühlt sich unser Kunde in die Ecke gedrängt und würde zurück poltern. Wenn ich jetzt aber für ihn unerwartet reagiere und mich für seine Probleme interessiere, im gar Hilfe anbiete (ohne mein eigenliches Ziel aus den Augen zu verlieren), werden die säumigen Zahler in der Regel schnell kooperativ und bieten von sich aus Lösungen an.

Dieses Beispiel zeigt, auch wenn wir in Schwierigkeiten stecken, gibt es immer einen liebevollen Weg hinaus. Kein Mensch wurde perfekt geboren. Wir alles sind hier auf dieser Erde, um zu lernen, ein Leben lang. Vielleicht kostet es am Anfang etwas Überwindung, doch letztlich siegt das schöne Gefühl der Empathy, das wir bei dem anderen auslösen, wenn wir sagen, „ja, ich habe einen Fehler gemacht, Entschuldigung“. Die Sympathien sind dann ganz bestimmt auf unserer Seite.

So, und nun entschuldige ich mich dafür, dass ich deine Zeit in Anspruch genommen habe und bedanke mich dafür, dass du zu Ende gelesen hast.

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