Glück ist, wenn man trotzdem lacht!

Das ist natürlich etwas einfach ausgedrückt. Aber hast du es schon einmal erlebt, ein Glücks- und Dankbarkeitsgefühl für deine aktuelle Situation zu haben? Es ist ein fast berauschendes Gefühl der Zufriedenheit, wenn alles, so wie es ist, gut ist. Nichts, außer das tägliche Brot wird mehr benötigt, und das eigene Streben kann sich einzig auf die Taten beziehen, die dich Gott und dem Hereafter näher bringen. Dabei spreche ich nicht von einem Aufenthalt in Deutschland, einem Land, in dem es immer fließend Wasser, Strom und ausreichend Essen gibt. Nein, es handelt sich um den Aufenthalt in einem sogenannten Entwicklungsland, das sich, so der Wortlaut, ja erst noch entwickeln muss. Zufrieden zu sein, wenn es kein Strom gibt. Zufrieden zu sein, wenn es länger mal kein Wasser gibt. Dafür aber auch zu erkennen, dass täglich die Sonne scheint, und  dass du nur zum nächsten Baum gehen brauchst, um Bananen und Mangos satt zu haben. 

Im Mangel eine Lebensqualität zu sehen, scheint mir eine Aufgabe, die die einen unfreiwillig machen müssen, andere vielleicht freiwillig einmal tun sollten, um sich wirklich reich zu fühlen. Reich sein im herkömmlichen Sinne erfordert auch eine enorme Aufmerksamkeit auf die erworbenen Dinge. Sie müssen gehegt und gepflegt, gelagert  und geputzt werden. Wir brauchen mehr und mehr Schränke, um all die erworbenen „Schätze“ unterzubringen, vielleicht sogar größere Wohnungen und so weiter. 

Das alles benötigt Zeit. Zeit, die wir damit verbringen, uns um Dinge anstatt um Menschen zu kümmern. Gar nicht davon zu sprechen, dass wir keine Zeit mehr haben für weltliches aber vor allem spirituelles Wissen. Jeder von uns achtet sorgsam darauf, nicht ohne Handy aus dem Haus zu gehen. Aber wer von uns hat denn sein Koran oder seine Bibel immer dabei und liest auch regelmäßig darin? Wer von uns klopft mal bei den Nachbarn und fragt, wie es ihm geht anstatt lieber mit den Freunden aus der ganzen Welt zu chatten? 

Zurück zu den Schränken. Wer einmal zu Besuch bei Familien war, die von der sprichwörtlichen Hand in den Mund leben, der fühlt wie unsinnig es ist, 20 Paar Schuhe im Schrank zu haben so wie mindestens 10 Handtaschen. In diesem Zusammenhang kommt mir immer wieder der Spruch „Weniger ist manchmal mehr“ in den Sinn. Abgeben, entrümpeln, ausmisten macht frei; nicht nur das Haus, auch die Seele.  

Bitte nicht falsch verstehen: Das ist kein Aufruf zur Armut, es ist eine Bitte über den eigenen Überfluss nachzudenken. Die Resourcen sind auf dieser Erde definitiv schlecht verteilt. Die große Politik können wir nicht ändern, auch nicht, wenn wir fleißig zur Wahl gehen. Aber wir können bei uns selbst anfangen. Ich habe es gemacht, und es fühlt sich gut an. 

Sokrates sagte einmal, als er über den Markt ging: „Wie viele Dinge gibt es doch, derer ich nicht bedarf.“

Mit dem zufrieden sein, was man hat. Das gilt nicht nur für Materielles, auch für Lebenssituationen. Es tut weh, wenn du in der eigenen Familie siehst, wie jemand mit seinem Schicksal hadert. Besonders, wenn es keinen Weg gibt, es zu ändern. Niemand möchte seine Angehörigen leiden sehen. Oft hilft dann noch nicht mal gutes Zureden. 

Es gab einmal einen weisen Mann, der Vorträge in der ganzen Welt hielt und plötzliche durch einen Schlaganfall an den Rollstuhl gebunden war. Er schrieb in einem Artikel: I am no more a lecturer, a cellist or a golfer. I am a looking-out-of-the-window-man, but I feel nearer to God than any time before. (Ich bin kein Vortragender mehr, kein Cellist oder Golfer. Ich bin ein aus-dem-Fenster-sehender-Mann, aber ich fühle mich Gott näher als jemals zuvor.

Ich wünsche jedem, ob reich oder arm, dass er Überflüssiges abgeben kann und mit dem Schicksal, das Gott ihm gegeben hat, zufrieden ist. Dieser Wunsch richtet sich besonders an die nach Lampedusa Aufbrechenden als auch an die, die sie dann später beherbergen müssen.  

Abu Huraira, radi’allahu anhu, berichtete, dass der Prophet Muhammed, ṣallā llāhu alayhi wa-sallam, sagte: „Das Reichsein versteht sich nicht als der Besitz von vielen Gütern, vielmehr besteht das Reichsein aus der Tugend der Genügsamkeit, die sich der Mensch zu eigen macht .“ (Al-Bukhari, Kapitel: 74, Nummer: 13)

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