Kommunikationskultur oder ein Plädoyer für die Email

Ich weiß gar nicht, ob es das Wort Kommunikationskulur überhaupt gibt, aber es ist das, was mein Gemütszustand gerade am besten ausdrückt. Denn es scheint so zu sein, dass wir uns in eine Richtung bewegen, die mit einer Kommunikationskultur nichts mehr zu tun hat. Da lese ich von einer österreichischen Bloggerin den Satz „einen Zweizeiler kann man noch kürzen“, Freunde freuen sich an meinen kurzen Blogeinträgen, da mehr ja sowieso keiner mehr liest, und viele Jugendliche um mich herum können nur noch SMS-Sprache. Müssten sie als Abitruienten einen langen Text schreiben, würden sie kläglich scheitern. Wo führt das alles hin? Aus Empathy und Mitgefühl für unsere Kinder, aber auch für die Zwischenmenschlichkeit auf der Erde nun diese Überlegungen.

Ich persönlich habe mich entschlossen, drei meiner fünf Chatprogramme zu löschen (die anderen brauche ich beruflich) und wieder mehr emails zu schreiben. Das hat folgende Vorteile:

  • Jeder hat ein anderes Chatprogramm, aber emails haben fast alle.
  • Auch wenn du mal keinen Zugang zum Internet hat, kannst du deine Emailkonversation erledigen und schickst es eben später ab.
  • Bei den allseits beliebten Sprachnachrichten, besonders wenn sie lang sind, vergisst der Hörer mindestens die Hälfte und kann so gar nicht auf alles eingehen. Bei der email kannst du Punkt für Punkt abarbeiten.
  • Beim Chatten, besonders bei den Sprachnachrichten kommt man vom Hundersten ins Tausendste und verzettelt sich gerne mal. Eine Email hat viel mehr Substanz, weil man in der Regel ein Thema zu Ende schreibt, bis man ein neues anfängt.
  • Die Email hat mehr Tiefgang, dort können Gedanken nicht nur zu Ende gedacht werden und sogar entwickelt werden. Wie oft wollte ich einfach nur etwas aufschreiben und habe beim Schreiben dann unbewusst Lösungen entwickelt. Bei Zweizeilern, die man dann vielleicht noch mit der SMS-Sprache verkürzt, geht das nicht.
  • Emails versenden und empfangen ist ein wenig so wie mit der Briefpost. Es hat auch etwas mit Entschleunigung zu tun, das fiel mir auf, als ich unter meine letzte email schrieb „lass dir Zeit mit dem Antworten, Vorfreude ist die schönste Freude“. In unserer schnellen Welt heutzutage tut es auch mal gut innezuhalten.
  • Heutzutage kommt es ja immer wieder vor, dass wir Dateien oder Links versenden wollen. In den Chatprogrammen ist das mittlerweile alles kein Problem mehr, nur …. Schon mal eine PDF-Datei auf einem Smartphone geöffnet? Wie sie sehen, sehen sie nichts bzw. alles im Miniaturformat. Wie viel schöner ist es da, Links oder Dateien am Computer öffnen zu können, oder wenn gewünscht auch am Handy, da die email ja meistens auf allen Geräten installiert ist.
  • Und wer schreibt, und zwar lange vollständige Sätze, ist ein gutes Vorbild für seine Kinder. Und das wollen wir doch alle, oder?

Ich hoffe, ich konnte mit diesen Gedankenspielen einige meiner Leser zum Nachdenken anregen und ein wenig Empathy für die gute alte Email auslösen. Ich persönlich freue mich über jede email und versuche sie auch zeitnah zu beantworten.

Ein Gedanke zu „Kommunikationskultur oder ein Plädoyer für die Email“

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