10 Gründe warum Gambier unbedingt nach Europa wollen

Diesen Artikel widme ich meinem Schwager Habib, der mit 30 Jahren sein Leben im Mittelmeer vor Lampedusa verlor. Wir haben alles versucht, ihn davon abzuhalten, doch leider ohne Erfolg. Seitdem haben wir viele Gespräche mit anderen Ausreisewilligen geführt, um ihre Beweggründe und ihre Hoffnungen besser zu verstehen und ihnen vielleicht Alternativen anbieten zu können.

Gambia hat 1,8 Mio. Einwohner. Jährlich verlassen etwa 9000 junge Männer das Land, um durch die Wüste nach Libyen, über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen. Nigeria beispielsweise hat 100x mehr Einwohner und auch von dort machen sich ebenfalls 9000 Männer jährlich auf den Weg.

Für Nigeria kann ich nicht sprechen, aber warum die Gambier gehen, davon konnte ich mir jetzt ein Bild machen, das ich gerne mit euch teile. Je mehr Menschen über die Motive informiert sind, desto besser können wir vielleicht helfen, sie davon abzuhalten. Allerdings müsste sich dazu wohl die Gesamtsituation im Land verbessern. Die Abwanderungsbeteitschaft ist bei vielen so hoch, dass selbst Versprechen für eigenes Geschäft oder ähnliches nicht mehr wirken. Es ist wie ein Virus, der die Männer befällt, von dem sie nicht mehr geheilt werden können.  10 Gründe warum Gambier unbedingt nach Europa wollen weiterlesen

Gestern bei unserem Sorgenkind Kuloro

Die Menschen in „unserem“ Dorf Kuloro sind mir richtig ans Herz gewachsen. Es ist natürlich nicht unser Dorf, aber ich fühle mich dem Menschen dort sehr nahe. Sie sind so lieb und so bescheiden in ihrer Armut, dass wir sie wirklich nur bewundern können. Ich nehme euch jetzt mit auf unseren kleinen Ausflug.

Nach einer Stunde Fahrt kamen wir in dem kleinen Dorf an. Der Weg von der Hauptstraße zum Dorf, der wegen der Regenzeit total zugewachsen war, glich eher einer Berg- und Talfahrt, aber dass kennen wir ja schon. Alle Sandwege sind während und kurz nach der Regenzeit kaum zu gebrauchen. Aber … am Wegesrand stehen wunderschöne Bäume. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass es Mahaghoni-Bäume sind. Aus ihnen, wenn sie nicht so verwachsen sind wie dieser, werden die Boote, Möbel und die Dachkonstruktionen gebaut. Dennoch für mich unheimlich schön anzusehen.

Gestern bei unserem Sorgenkind Kuloro weiterlesen

Sorgenkind: Wellingara Arabic-English Institute

Es klingt ein wenig merkwürdig, eine Schule als ein Sorgenkind zu bezeichnen. Doch was dieser Schule schon alles widerfahren ist, ist für die Beteiligten schwer zu ertragen.

Ein Islamgelehrter hatte einmal eine sehr schöne Idee. Er teilte sein Privatgrundstück und baute auf der einen Hälfte eine Schule, die zum einen nur wenig Schulgebühren kosten sollte, damit die Armen der Umgebung ihre Kinder in die Schule schicken können und zum anderen entwarf er ein Schulmodell, das seines Gleichen sucht. Er lies die Schüler in den Hauptfächern in Englisch und in den Nebenfächern in Arabisch. Am Ende der 12. Klasse sprechen dann alle Schüler fließend Arabisch und Englisch. Mir gefällt dieses Konzept sehr gut und anscheinend auch vielen Eltern. Die Schule hatte einen großen Zulauf, so dass sie aus allen Nähten platzte.

Dann kam der große Regen in 2012, und die Schule wurde fast vollständig zerstört. Dächer flogen weg, und das Wasser zerstörte das Mauerwerk. Aufgrund der folgenden Bilder beschäftigten wir uns dann näher mit der Schule und sammelten damals 100€ Spenden für den Wiederaufbau. Hier zwei ausgewählte Bilder, die die erste Katastrophe ein wenig verdeutlichen. Sorgenkind: Wellingara Arabic-English Institute weiterlesen

4,5 Monate für ein Nummernschild

Was lange währt, wird endlich gut. Oder: Wie ich am besten in Geduld geprüft werde.

Es war wirklich nervenaufreibend. Das Auto kam am 5. Mai am Hafen in Banjul an und am 20. September haben wir dann unsere Nummernschilder bekommen. Warum das so lange dauert, kann man schlecht erklären. Doch zunächst mussten fünf Ämter Formulare ausfüllen, Anträge und Bestätigungen schreiben, dass es seine Richtigkeit hat, dass dieses Auto ein Vereinsauto ist, und wir somit keinen Zoll und keine Steuern zahlen müssen. Dieser Prozess hat nur etwa 2 Wochen gedauert.

Anschließend kam die Akte zum Finanzminister. Er musste nun den ganzen Vorgang absegnen und mit seiner Unterschrift bestätigen, dass alles seine Richtigkeit hat. Das ist alles gut zu verstehen, wenn da nicht die vielen Geschäftsreisen wären. So warteten wir und warteten und warteten, dann nach 4,5 Monaten der erlösende Anruf. Das Dokument ist unterzeichnet, aber es muss noch protokolliert werden. Ok, das dauerte dann nicht mehr so lange und schließlich konnten wir das ersehnte Nummernschild an unser Auto anbringen.

Einen NGO zu führen, ist schon etwas Bedeutsames, mehr als einen Verein in Deutschland, aber wie ehrfürchtig uns selbst Polizisten behandeln, wenn sie unser Auto mit einem NGO-Nummerschild sehen, das war neu für mich. Einmal vergaß ich meinen Führerschein zu Hause und ausgerechnet an diesem Tag bin ich in eine Kontrolle gekommen. 4,5 Monate für ein Nummernschild weiterlesen