Auf ein Wort!

So habe ich gelernt, kann man ein wichtiges Thema einleiten. Und es ist ein wichtiges Thema. Es geht um Witwen in Afrika, speziell in Gambia. Allein seit Ende Dezember haben uns 18 Witwen um Hilfe gebeten. Das wirft verständlicherweise Fragen auf.

Oft werde ich gefragt, warum und woran denn so viele Männer sterben, und ob es denn auch Witwer gibt. Auf diese und noch andere Punkte werde ich jetzt hier eingehen.

Grundsätzlich gilt: Gestorben wird in Afrika schneller als in Europa, zum einen weil die medizinische Versorgung begrenzt ist, aber auch weil Kranke auch bei leicht zu behandelnden Krankheiten eher nicht zum Arzt gehen, weil sie kein Geld haben, die Behandlung zu bezahlen. So kann ein Husten schnell zur Lungenentzündung, eine Verletzung zur Blutvergiftung werden und Bluthochdruck tödlich enden. Diabetes wird erst spät erkannt (wenn überhaupt) und Dehydration, besonders in den heißen Monaten wird oft ignoriert.

Wenn nun also eine Frau gestorben ist, heiratet der Mann eine andere, die sich dann um die Kinder kümmert, sofern sie noch klein sind. So einfach ist das.

Falls jedoch ein Mann stirbt, bleibt die Frau mit ihren 3,4,5,6,7 oder mehr Kindern allein. Denn kein Mann möchte die Verantwortung für so viele Kinder übernehmen. Auch wenn die Kinder schon erwachsen sind, doch arbeitslos, muss die Mutter, so alt sie auch sein mag aufs Feld gehen und Farming machen, um die „Kinder“ zu ernähren. Damit nicht genug, haben die „Kinder“ ja nun auch oft schon Kinder, für die die „Großmutter“ sich dann auch verantwortlich fühlt. Wir haben Frauen bei uns registriert, deren Töchter auch an relativ kleinen Krankheiten gestorben sind, und die jetzt mit 14 Enkelkindern wohnen. Wie soll eine Witwe zwischen 60 und 70 Jahren ohne Beruf 14 Enkelkinder ernähren?

Nun fragen sich viele, warum denn so viele Kinder, wenn es so schwer ist, sie satt zu bekommen? Die Idee dahinter ist klassisch, und noch vor etwa 100 Jahren hat man in Deutschland auch so gedacht. Für Farmerinnen und Gärtnerinnen ohne Rentenversicherung bedeuten viele Kinder auf lange Sicht, dass bestimmt eins oder mehr dabei sind, die die Eltern im Alter ernähren. Die Tatsache, dass um aus diesem Teufelskreis herauszukommen, die Kinder wenigsten ein gewisses Maß an Bildung bekommen sollten, ist zwar bekannt, wird auch oft gewünscht, aber dann doch nicht umsetzbar. Die Regierung hat jetzt angefangen, den Besuch einiger Schulen gebührenfrei zu machen, aber die Lernqualität ist dann oft nicht gut, und die Klassen sind zum Teil bis zu 100 Kinder groß.

Doch auch ein anderes Problem ist nicht zu unterschätzen. Gambia hat zur Zeit ca 1,8 Mio Einwohner. Das bedeutet normalerweise etwa 900 Tausend Männer. Da nun jährlich, seit weit über 10 Jahren etwa 9000 junge Gambier jedes Jahr das Land verlassen, verschiebt sich die Relation zwischen Männern und Frauen zusehend. Die jungen Frauen finden nur noch schwer, gleichaltrige zum Heiraten. Zum einen weil die Männer immer weniger werden, zum anderen, weil einige, die noch da sind, ausschließlich in Europa die einzige Lösung ihrer Probleme sehen. Die fleißigen, lernbegierigen, moralisch korrekten jungen Männer sind heiß begehrt, aber leider nicht für alle zu haben. So bleiben immer mehr jungen Frauen ledig oder werden 2., 3. oder 4. Frau eines älteren Mannes. Viele der Mädchen wollen aber auch keine zurückgebliebenen Gambier mehr heiraten, sondern warten lieber auf die so genannten Semester (Gambier aus Europa), um auch etwas von dem Kuchen (Euros) abzubekommen.

Die gesellschaftliche Situation ist wie beschrieben aufgrund vieler Faktoren sehr nachteilig für die Frauen geworden. Besonders die unalphabetisierten Witwen sind die Schwächsten der Gesellschaft, und nur die wenigsten können sich aus eigener Kraft helfen. Ganz traurig ist es dann immer wenn die Frauen auch noch krank sind. Hier haben einige unserer Witwen Elephantiasis. Mehr darüber in einem vergangenen Blogartikel von mir. Krankheiten, die keiner kennt

So sind seit Ende Dezember schon wieder 18 neue Witwen in unserem Büro gewesen, um um Hilfe zu bitten. Da wir so mit Baumaßnahmen beschäftigt waren, bin ich nicht dazu gekommen vorher darauf zu reagieren, aber die Not ist groß, daher wende ich mich heute an euch, diesen Witwen zu helfen. Mit unserem Witwen-Reis-Programm versorgen wir die Ärmsten mit einem Sack Reis monatlich. Das Programm ist sehr beliebt, und sichert so wenigstens eine gewissen Lebensmittelgrundversorgung. 25€ im Monat kann der Familie einer Witwe helfen, wenigstens nicht zu hungern.

Noch ein Wort zu den Gehältern. Eine Putzfrau verdient etwa 30€ ein Polizist 40€ und ein Lehrer 60€. Doch sind die Lebensmittelpreise für Fleisch, Tomaten, Zwiebeln, die gleichen wir bei uns. Vielleicht versteht ihr jetzt besser, worin das Problem besteht eine Großfamilie mit einem Minigehalt zu ernähren.

Adama G.

Sie ist Gärtnerin und Reisfarmerin, sie hat 7 Söhne und eine Tochter, aber keins der Kinder hat Arbeit. Es ist sehr schwer für sie die Familie zu ernähren, und wünscht sich Hilfe.

Serreh J.

Sie hat 3 Söhne, 3 Töchter und 10 Enkelkinder. Die Söhne und sie versuchen die Familie zu ernähren. Ihr ältester Sohn arbeitet in einem Restaurant, aber es reicht einfach nicht für die 17 Personen.

Serrah D.

Serrah hat Elefantiasis am linken Bein. Sie hat 3 Töchter, einen Sohn und eine Enkelin. Durch ihre Krankheit ist es schwer für sie alle zu ernähren. Da sie nicht mehr im Garten arbeiten kann, hat sie jetzt einen kleinen Tisch am Straßenrand, an dem sie Süßigkeiten verkauft.

Binta N.

Sie hat 2 Söhne, 4 Töchter und eine Enkelin. Zwei ihrer Kinder gehen noch zur Schule. Sie ist Gärtnerin und Reisfarmerin, aber seit ihr Mann gestorben ist, liegt die ganze Verantwortung bei ihr. Sie schafft es kaum die Familie zu ernähren, auch die Schulgebühren sind ein Problem.

Isatou B.

Sie hat 3 Söhne und 2 Töchter, die alle noch zur Schule gehen. Sie verkauft Batiken auf dem Touristmarket, aber die Geschäfte laufen nicht gut. Denn das Touristen- Geschäft ist saisonal vom 1. Oktober bis 1. April. Nach April gibt es kaum Touristen und so hat sie fast keine Einnahmen. So ist es schwer für sie die Ernährung und die Schulgelder zu bezahlen.

Fatoumata S.

Sie ist Hausfrau und seit dem Tod ihres Mannes ist sie verantwortlich für 15 Familienmitglieder. Sie braucht dringend Hilfe, da sie keine Möglichkeiten hat Geld zur verdienen.

Awa J.

Sie hat 5 Kinder, 3 Mädchen und 2 Jungen. Alle Kinder gehen noch zur Schule. Sie hat einen kleinen Verkaufstisch am Straßenrand doch es reicht nicht um alle zu kleiden, zur Schule zu schicken und zu ernähren. Ein Sack Reis wäre eine große Hilfe.

Serreh F.

Sie ist Witwe und ihre beiden Töchter sind auch gestorben. Sie hinterließen ihr ihre 5 Enkelkinder. Sie sind zwischen 4 und 10 Jahren alt. Auch für sie ist es schwer die Ernährung und die Schule der Kinder zu bezahlen. Sie hat einen kleinen Stand am Touristmarket an dem sie kleine Armbänder und Schlüsselanhänger verkauft. Aber das Touristen-Geschäft ist kein permanentes Einkommen. So wird es immer wieder schwierig mit der Versorgung der Kinder.

Awa S.

Sie hat 2 Söhne, 3 Töchter und 13 Enkelkinder, die alle zur Schule gehen. Ihre Kinder versuchen die große Familie zu ernähren, denn Awa hat Elephantiasis und kann nicht mehr arbeiten. Die Kinder haben keine Arbeit nur manchmal haben die Töchter die Chance putzen zu gehen. Die Situation der Familie ist sehr schwierig.

Jainaba S.

Sie hat 1 Tochter und 3 Söhne, 2 ihrer Kinder gehen noch zur Schule. Sie selbst arbeitet als Gärtnerin und als Putzfrau. Ihr größtes Problem ist es, die Kinder satt zu bekommen und die Schule zu bezahlen.

Serreh J.

Sie hat 6 Kinder. Ihre älteste Tochter arbeitet in einem Restaurant, um die Familie zu ernähren. 2 der Kinder gehen noch zur Schule und alle 4 Enkel. Die Tochter verdient nicht genug, um alle Schulgebühren und das Essen zu bezahlen.

Serrah B.

Sie hat 5 Kinder, von denen 3 noch zur Schule gehen und eine Enkelin von 3 Jahren. Sie verkauft auch an einem Stand alles was sie selbst kaufen kann, mal Obst, mal Süßigkeiten etc. Sie versucht mit aller Kraft für die Kinder und das Enkelkind für alle Kosten aufzukommen, aber manchmal reicht es einfach nicht.

Fatoumata S.

Sie hat 6 Kinder von denen 5 noch zur Schule gehen. Auch sie verkauft Obst an einem Stand an der Strasse. Doch das tägliche Essen, das Frühstück für die Kinder und alle anderen Kosten kann sie alleine nicht immer decken.

Sirreh S.

Sie ist mit 38 Jahren eine noch recht junge Witwe. Sie hat 3 Söhne und 1 Tochter zwischen 5 und 17 Jahren. Sie alle gehen noch zur Schule. Sie selbst arbeitet auf dem Feld, aber der Ertrag ist gering und in der Regenzeit kann sie gar nichts ernten.

Fatou J.

Sie hat 5 Kinder, 3 Jungen und 2 Mädchen. Alle gehen noch zur Schule. Sie ist Fischverkäuferin und ernährt davon ihre Kinder und bezahlt für die jüngste den Kindergarten. Die anderen gehen auf eine gebührenfreie Schule.

Serreh S.

Sie hat 3 Töchter und einen Sohn im Alter von 11 bis 21 und eine Enkelin, die in den Kindergarten geht. Sie arbeitet als Dienstmädchen, aber mit dem kleinen Gehalt kann sie ihre Kinder nicht ernähren. Es gibt bei ihr keine 3 Mahlzeiten pro Tag auch gebrauchte Kleidung können sie sich nur selten leisten.

Gerade heute ist noch eine neue Witwe registriert worden. Sie heißt

Jankey J., ist schon älter und erlitt kürzlich einen Schlaganfall. Gestern ist sie aus dem Krankenhaus gekommen, ist noch gelähmt, und die Zeit wird es zeigen, ob sie wieder laufen können wird. Sie wird jetzt einige von den gespendeten Hygieneartikeln bekommen. Sie hat 2 Söhne, einer arbeitslos, der andere pensioniert mit einer Rente von 20€ im Monat. Gemeinsam haben die beiden Söhne 19 Kinder. Die Familie wünscht sich sehr eine Unterstützung für die Ernährung der Mutter und damit für die ganze Familie. Ein Foto habe ich noch nicht, das kann in den nächsten Tagen von mir erfragt werden.

Ihr seht die Armut ist groß, weil das Verhältnis zwischen Einkommen und Kosten einfach nicht stimmt. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird sich auch auf lange Sicht an der Situation dieser Frauen nichts ändern. Wer gerne eine dieser Frauen mit einem monatlichen Sack Reis unterstützen möchte, kann mit eine email schreiben, um Mehrfachsponsoring auszuschließen. (mail@helpthepoor.de)

Danke, dass du diesen Artikel zu Ende gelesen hast. Mögest du für dein Verständnis und dein Interesse reichlich belohnt werden.

2 Kommentare zu „Auf ein Wort!“

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