Archiv der Kategorie: Empathie

In dieser Kategorie stehen Artikel, die zum Nachdenken anregen können, wie viel Mitgefühl wir eigentlich für unsere Umwelt haben.

Empathie in Berlin

Entschuldigt, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Ich war ganze 7 Wochen in Berlin. Die Zeit war so intensiv, dass ich nicht zum Schreiben gekommen bin. Dafür habe ich aber viele andere schöne Sachen gemacht und auch viel für den Verein und unsere Arbeit in Gambia erreicht.

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Tage, die es in sich hatten

Allen Muslimen wünschen wir ein gesegnetes Opferfest. Möge Allah unsere Gebete annehmen und uns noch viele weitere Opferfeste feiern lassen.

Rückblick

Seit dem letzten Blogeintrag vor genau einem Monat ist viel passiert. Damit ihr einen kleinen Eindruck bekommt, wie wir arbeiten, werde ich euch jetzt schildern, was ich seit dem letzten Blog so getrieben habe. Leider ist der Artikel schon wieder etwas lang geworden. Ich gelobe Besserung und schreibe lieber mehrere kleine.

Kleiderkammer

In Erwartung der vielen Abayas haben wir schnell noch die verbleibende Gebrauchtkleidung auf Bügel gehängt und in unserem Backoffice eine Kleiderkammer eingerichtet. In der Hoffnung, dass die ganze Kleidung ausgegeben ist, bis die Abayas kommen. Dann sind hoffentlich die Bügel wieder frei und wir können unsere Kleiderkammer mit den langen Kleidern präsentieren.

Reisausgabe

Ein paar Tage später war dann auch schon die Reisausgabe für die Witwen. 36 Witwen bekommen derzeit einen monatlichen Sack Reis zur Unterstützung. Aber durch diverse Todesfälle in den letzten Tagen bräuchten wir dringend noch mehr Sponsoren für weitere Witwen. Von den 178 Familien, die derzeit bei uns registriert sind, sind etwa die Hälfte Witwen. Witwen sind in Gambia die Ärmsten der Armen.

Kurz nach der Reisausgabe kam dann eine neue Witwe, Mama Sanneh, zu uns ins Büro. Sie hat vor Kurzem ihre über 100-Jährige Schwiegermutter verloren und kurz danach ihren Mann. Jetzt steht sie mit den drei kleinen Töchtern alleine da und versucht die kleine Familie als Wäscherin über Wasser zu halten. Sie bekam auch einen einmaligen extra Sack Reis. Ihre Lebensbedingungen sind so traurig, dass wir uns auch für sie einen neuen Sponsor wünschen. Ich komme nach Berlin mit einigen neuen Witwen im Gepäck (sinnbildlich) vielleicht möchte ja noch jemand eine übernehmen.

Starkregen hat Dächer demoliert

Komischerweise regnet es freitags hier immer am heftigsten. So auch an einem Freitag Anfang Juli. Die Nähschule, unser Privathaus und viele andere Gebäude hatten Wasserschäden. Glücklicherweise haben wir jemanden, der sich um das alles kümmert. Ich alleine wäre damit wohl etwas überfordert gewesen.

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Charityessen – ein Segen für die Gemeinden

Zur Zeit passiert so viel, dass ich mit dem Schreiben kaum noch hinterher komme. So ist es nun schon am Donnerstag gewesen, dass wir ein Charityessen für 100 Personen zubereitet haben. So ein Essen ist ein Tagesprogramm für uns. Gleich nach dem Morgengebet um 6 Uhr wurde eine Ziege geschlachtet. Mit dem Fleisch ging es dann direkt in unser Büro nach Bakau. Dort warteten schon die Köchinnen mit den Zutaten, die am Tag vorher eingekauft wurden. Sie schnitten das Gemüse, brieten das Fleisch mit dem Gemüse in einem riesengroßen Topf.

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Nähen statt Lampedusa – ein Zwischenbericht (mit Video)

oder Wie gehen wir mit Nachhaltigkeit um.

Nach all den schlechten Nachrichten, nun mal eine gute. Unsere kleine Nähschule nimmt richtig Fahrt auf. Am 1.5. war Halbzeit und die Jungs sind schon sehr fit. Sie können schon Hemden mit Kragen und Knopfleiste nähen und Hosen mit Bund, Bundfalten und Gürtelschlaufen. Bei eingehender Betrachtung muss das Nähwerk noch etwas sauberer verarbeitet werden, doch Übung macht ja bekanntlich Meister. Überzeugt euch selbst. Wenn ihr das Video seht, wird euer Herz aufgehen.

Und wenn sie dann erst Meister sind, und eine Familie mit ihrem Beruf ernähren können, dann haben sie und auch wir es offensichtlich geschafft.

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Was es sonst noch über das Essen in Gambia zu sagen gibt

Um im Bild zu bleiben, möchte ich heute noch einmal über den berühmten Tellerrand schauen. Denn das, was sich in anderen Ländern zum Thema Essen abspielt, kann doch schon sehr anders sein.

In meinem letzen Artikel vergaß ich, über die Meeresfrüchte zu schreiben. Das Erstaunliche daran ist, dass Krabben (Größe 1 – das sind die ganz großen) das Kilo schon für 2,50€ gibt, und auch Austern (ihr lest richtig, ich habe eben extra noch einmal im Wörterbuch nachgeschaut, denn hier sagt man „Oyster“ dazu) kosten für einen vollen Teller 1€. Die sind natürlich schon aus der Schale, und somit ganz schön viele. Was für uns so etwas besonderes ist, ist hier eher Alltag.

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Leben mit Analphabeten

Das Leben in einem Land mit 30-40% Analphabeten unterscheidet sich schon sehr von dem in einem Industrieland. Da gibt es für unsereins viel zu lernen. Die Übermittlung von Informationen und damit auch die Art der Information muss in vielen Fällen völlig neu überdacht werden. So spielt beispielsweise das Radio in Gambia noch eine sehr große Rolle. Da das Radio seit je her nicht zu meinem gewohnten Umfeld gehört, vergesse ich es oft. Bemerke dann aber immer wieder, wenn ich auf bestimmte Sendungen hingewiesen werde, wie interessant es doch sein kann.

Viele junge Menschen, mit neuen erfrischenden Ideen sprechen dort, Institutionen, die junge Menschen in die Selbständigkeit führen wollen, stellen sich vor, und religiöse und spirituelle Themen werden dort diskutiert. Selbst Ernährungsberatung habe ich schon gehört. Immer wieder überraschend für mich, wenn ich mich gerade so schön eingehört habe, dann die Aufforderung an den Sprecher nun noch einmal alles in eine der 8 gambischen Sprachen zu übersetzen. Ich frage mich dann immer, wer bis jetzt auf englisch zugehört hat und nichts verstand, ist der noch dabei?

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Kümmern wir uns?

Vielleicht klingt dieser Titel etwas seltsam. Aber hier in Gambia verrutschen unsere  Sichtweisen auf bestimmte Dinge mitunter.

Stellt euch folgende Situation vor: Du hast gerade dein letztes Examen im Abitur geschrieben, möchtest erst einmal durchatmen und zur Ruhe kommen nach all dem vielen Lernen und dich neu ordnen. Nun stellst du fest, dass es auf Grund unendlich vieler Bestimmungen und Regeln nicht so einfach ist deinen Traumberuf zu erlernen. Du beschäftigst dich also wochenlang damit, irgendwie an deiner Zukunft zu arbeiten. Was geht mit welchem Zeugnis und warum, besser warum nicht, du recherchierst bis der Computer qualmt, läufst Wege bis zur Erschöpfung, um vielleicht doch noch den einen wichtigen Stempel oder diese oder jede Beglaubigung zu bekommen.

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10 Gründe warum Gambier unbedingt nach Europa wollen

Diesen Artikel widme ich meinem Schwager Habib, der mit 30 Jahren sein Leben im Mittelmeer vor Lampedusa verlor. Wir haben alles versucht, ihn davon abzuhalten, doch leider ohne Erfolg. Seitdem haben wir viele Gespräche mit anderen Ausreisewilligen geführt, um ihre Beweggründe und ihre Hoffnungen besser zu verstehen und ihnen vielleicht Alternativen anbieten zu können.

Gambia hat 1,8 Mio. Einwohner. Jährlich verlassen etwa 9000 junge Männer das Land, um durch die Wüste nach Libyen, über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen. Nigeria beispielsweise hat 100x mehr Einwohner und auch von dort machen sich ebenfalls 9000 Männer jährlich auf den Weg.

Für Nigeria kann ich nicht sprechen, aber warum die Gambier gehen, davon konnte ich mir jetzt ein Bild machen, das ich gerne mit euch teile. Je mehr Menschen über die Motive informiert sind, desto besser können wir vielleicht helfen, sie davon abzuhalten. Allerdings müsste sich dazu wohl die Gesamtsituation im Land verbessern. Die Abwanderungsbeteitschaft ist bei vielen so hoch, dass selbst Versprechen für eigenes Geschäft oder ähnliches nicht mehr wirken. Es ist wie ein Virus, der die Männer befällt, von dem sie nicht mehr geheilt werden können.  10 Gründe warum Gambier unbedingt nach Europa wollen weiterlesen

Ein Leben ohne Strom

Alle, die schon länger diesem Blog folgen, mögen es vielleicht nicht mehr hören. Doch in der heutigen Zeit der Technologie ist ein Leben fast ohne Strom schwierig. Wie schwierig wollte ich euch heute mal etwas näher erklären, damit ihr so in etwa eine Vorstellung habt, unter welchen Bedingungen ich versuche in Kontakt mit euch zu bleiben.

Bei derzeit maximal 6 von 24 Stunden Strom am Tag (morgens 3 und abends 3) nachts oft nicht, und da würde ich den Ventilator so sehr brauchen. In unserem Haus haben wir jetzt in der Regenzeit nachts 31 Grad Celsius mit 80% Luftfeuchtigkeit. Ich brauche euch sicher nicht zu erzählen in welchem Zustand man morgens aufwacht.

Wäsche waschen mit der Waschmaschine nimmt auch komische Formen an, wenn du plötzlich um 23 Uhr anfängst, weil dann gerade der Strom angegangen ist. Glücklicherweise haben wir ja unsere Batterie-Glühbirnen, so haben wir wenigstens Licht. Obwohl vor etwa einem Monat der Strom mal mit solcher Wucht zurückgekommen ist, dass einige Birnen explodiert sind und zwei Ventilatoren durchgeschmort. Später kam dann noch ein Elektriker, der alle Steckdosen ausgewechselt hat, weil sie alle Schaden genommen haben.

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Kommunikationskultur oder ein Plädoyer für die Email

Ich weiß gar nicht, ob es das Wort Kommunikationskulur überhaupt gibt, aber es ist das, was mein Gemütszustand gerade am besten ausdrückt. Denn es scheint so zu sein, dass wir uns in eine Richtung bewegen, die mit einer Kommunikationskultur nichts mehr zu tun hat. Da lese ich von einer österreichischen Bloggerin den Satz „einen Zweizeiler kann man noch kürzen“, Freunde freuen sich an meinen kurzen Blogeinträgen, da mehr ja sowieso keiner mehr liest, und viele Jugendliche um mich herum können nur noch SMS-Sprache. Müssten sie als Abitruienten einen langen Text schreiben, würden sie kläglich scheitern. Wo führt das alles hin? Aus Empathy und Mitgefühl für unsere Kinder, aber auch für die Zwischenmenschlichkeit auf der Erde nun diese Überlegungen.

Ich persönlich habe mich entschlossen, drei meiner fünf Chatprogramme zu löschen (die anderen brauche ich beruflich) und wieder mehr emails zu schreiben. Das hat folgende Vorteile: Kommunikationskultur oder ein Plädoyer für die Email weiterlesen

Schaffen wir 50 neue Likes?

Ich freue mich, dass dieser Blog immer mehr Zulauf hat. Doch wie jeder Blogger möchte auch ich gerne mehr Klicks und Likes haben. Was bedeutet es für einen Blogger Klicks, Likes oder Follower zu haben? Es bedeutet, dass es Personen gibt, die mögen, was der Blogger macht bzw. schreibt. In unserem Fall „machen“ wir Hilfeleistungen für die Ärmsten in Gambia, und ich schreibe auch darüber. Wenn uns also jemand liked oder folgt, ist er daran interessiert, welche Projekte wir anschieben und was aus ihnen wird.

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Bei Gericht!

Es liegt mir wirklich fern, mich über andere Länder und deren Gebräuche lustig zu machen. Aber was wir dieses Jahr bei Gericht erlebt haben, und wie viel dort gelacht wurde, kann man sich als kühler Norddeutscher eigentlich nicht vorstellen.

Warum, wieso, weshalb wir da waren, lassen wir jetzt mal beiseite. Ist für den folgenden Text auch nicht wichtig. Zunächst mal zum Bau. Das Gebäude ist ebenerdig und hat viele Gänge, die zum größten Teil offen sind. Die Räume, besonders die Gerichtssäle, liegen dann eher in der Hausmitte mit offenen aber vergitterten Fenstern. Alle Türen stehen auf, und jeder geht ungehindert überall ein und aus, und kann ungehindert alles mithören.

Das führt dazu, dass jeder jeden hört, und du alle Geschichten dort mitbekommst. Undenkbar in Deutschland. Ob es um eine geklaute Kuh geht, oder

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Eine wirklich schöne Geschichte

Vor über einem Jahr baten wir euch für Yaghouba D. zu spenden. Er kam aus Guinea nach Gambia, um IT und Englisch zu lernen. Sein Onkel versprach ihm, ihn zu unterstützen. Schon nach sehr kurzer Zeit zog der Onkel sein Angebot wieder zurück und erwartete von ihm, dass Yaghouba, ihm auf seinen Baustellen half. Das hat er dann eine Weile getan, bis er als Helfer bei einer unserer Baustellen eingeteilt war. Er erzählte uns, was passiert war und bat uns um Hilfe.

Wir aktivierten unsere Sponsoren und siehe da, er konnte Englisch und IT erfolgreich abschließen. Bei seinem Onkel musste er deswegen allerdings ausziehen. So hatte er dann weder einen Platz zum

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Alhamdulillah 

Dieser Blog heißt Empathy-Mitgefühl. Somit habe ich natürlich auch Mitgefühl für Menschen außerhalb Gambias Grenzen. Gestern erreichte mich aus Deutschland eine sehr traurige email von einer lieben Freundin und Schwester im Glauben, die gerade durch große Prüfungen gehen muss. Da wir alle mal mehr mal weniger durch Prüfungen gehen müssen, habe ich mir mal ein paar Empathie-Gedanken gemacht, wie man mit solchen Prüfungen leben kann. Der folgende Text richtet sich jetzt an alle, die an einen Gott glauben, alle anderen können an dieser Stelle wegklicken.

Wenn ich im Folgenden von Allah spreche, ist unser aller Gott damit gemeint. (Gott heißt auf arabisch Allah). Ich denke praktizierende Christen fühlen sich auch angesprochen. Ich verwende das Wort Allah, weil ich arabische Begriffe aus dem Alltag erkläre, in denen das Wort Allah vorkommt. Ich bin überzeugt davon, dass jeder alle diese Begriffe schon einmal gehört hat.

Wer emotional so weit unten ist, braucht Halt. Diesen

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Der Erfolg unserer Start-Up-Women

Erinnert ihr euch an unsere Start-Up-Women? Gestern war ein sehr interessanter Tag. Abgesehen davon, dass es wie aus Kübeln geregnet hat, und zwar gerade als wir im Büro ankamen. Das war etwas ungünstig, denn wir hatten alle Start-Up-Women eingeladen, um mit ihnen zu sprechen. Vor genau einem Jahr hatten wir 10 Frauen aus Spendengeldern zu einem Start-Up verholfen. Einige von ihnen wollten Dünger an die Gärtnerinnen verkaufen, andere abends kochen und das Essen au der Strasse verkaufen, eine Frau hat Batiken gelernt und wollte wieder Stoffe färben, wieder andere Fisch oder Gemüse auf dem Markt verkaufen. 

Obwohl uns das Geld zum Verschenken gegeben wurde, wollten wir die Frauen mit einem kleinen Trick zur Seriösität und Nachhaltigkeit anhalten. Wir ließen sie einen kleinen Vertrag unterzeichnen, dass sie ab dem dritten Monat nach Erhalt des Geldes es in 10 Monatsraten wieder zurückzahlen. Was sie nicht wussten, dass wir es ihnen die Raten die sie zahlen, dann wieder komplett zurückgeben, damit sie weiter Geschäfte machen können. 

Nun kommt etwas, das zu erwarten gewesen war. Vier von zehn Frauen hatten den gesamten Betrag in Raten zurück gezahlt und bekamen ihn demnach auch komplett wieder. Bei ihnen war die Freude groß. Insgesamt sah die Rückzahlungsbilanz wie folgt aus und spiegelt ein ziemlich realistisches Bild wieder, wie es um das Zahlungsverhalten unserer Klientel steht. 

  • 4 Frauen 100%
  • 1 Frau 80%
  • 1 Frau 70%
  • 1 Frau 60%
  • 1 Frau 20%
  • 2 Frauen 10%

Ein Verwanter von uns, der Islamic Banking studiert hat, riet uns einmal, Mikrokredite zu lassen, da es uns schlaflose Nächte bereiten kann. Genau das ist nun passiert, aber für uns eine wichtige Erfahrung und eine weitere Einsicht, wie bestimmte Abläufe unter der Prämisse Armut funktionieren. Wenn du nichts zu essen hast, ist eben das Letzte, an das du denkst einen Kredit zurück zu zahlen. Das heißt natürlich aber auch, dass sie anscheinend nicht gut gewirtschaftet haben, und sich aus dem Start-Up kein regelmäßiges Einkommen generieren konnten. UNICEF bietet auch Start-Ups an, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Empfängerinnen mehrere Monate an einem Businesskurs teilnehmen müssen, bevor es Geld gibt. Vielleicht wäre das die Lösung, für mehr Nachhaltigkeit, doch das übersteigt unsere personellen Möglichkeiten. Generell können wir aber ganz zufrieden sein, dass immerhin sieben von zehn Frauen fast den gesamten Betrag erwirtschaftet haben.  

Musa braucht ein neues Bein

Das ist Musa Sonko. Er hat vor einigen Jahren bei einem Unfall ein Bein verloren. Dann bekam er eine Prothese, aus der er mittlerweile herausgewachsen ist. Die Mutter hatte jetzt 80€ gespart und ist mit Musa nach Dakar gefahren, um eine neue zu bekommen. Die Prothese, die er braucht kostet aber 200€. Da die Mutter alleine ist mit ihren vier Kindern, ist es sehr schwer für sie, das fehlende Geld aufzubringen. Ihr Mann hat sie vor 1,5 Jahren für eine Jüngere verlassen und bringt einmal im Jahr 30€ vorbei. Sie verdient das Einkommen für die Familie mit Putzen, so kommen sie wenigstens mit dem Essen über die Runden. Wer hat ein Herz und kann für Musa die fehlenden 120€ für seine Beinprothese zahlen? 

Rückblick.

Rückblick. Der kommt gleich, doch vorab erst ein kleines Schmankerl aus Gambia, wie es leibt und lebt. Eindrücke von unserem Flug nach Gambia: Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es immer lauter wurde, je südlicher wir kamen. Im Flugzeug nach Brüssel, war es noch sehr ruhig. Dann am Flughafen suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen mit Blick auf unser Gate. Da der Schlaf in der Nacht doch recht wenig war, dösten wir so vor uns hin, bis sich die Sitzreihen um uns herum mit Afrikanern füllten. Ich bin bis jetzt noch nicht dahinter gekommen, warum sich zwei Personen, die direkt nebeneinander sitzen, sich so laut anschreien müssen. Nun ja, vielleicht gibt mir ja mal einer den entscheidenen Tip. Auf dem Flug nach Dakar/Banjul stieg der Geräuschpegel dann noch einmal an. Schon alleine weil zwei Kleinstkinder in unserer unmittelbaren Nähe waren.

Endlich aus dem Flugzeug, empfing uns dann eine Wand aus schwül-feucht-warmer-klebriger Luft. Ich hatte schon damit gerechnet, daher war die Überraschung nicht ganz so groß. Bei der Gepäckausgabe dann wieder Routine. Je weißer die Hautfarbe, desto größer die Chance, mit einem Kreide F (für Food haha) auf den Koffern im Zollbüro zu landen und ohne die Koffer aufzumachen, zahlen zu müssen. Darauf hatte ich aber so gar keine Lust, daher griff ich zu einer Methode, die ich so noch nie ausprobiert hatte. Ich zückte meine Visitenkarte von unserem NGO. Und siehe da. Plötzlich ging es auch ohne. Dann stand auch noch wie aus dem Nichts mein Mann vor mir, der als Nichtpassagier eigentlich gar nicht in den Gepäckbereich durfte. Von da an ging dann alles ganz leicht, und wir verließen schnellstens den Flughafen.

Auf dem Weg nach Hause ging es dann weiter im gambianischen Stil. Bei der Ausfahrt Rückblick. weiterlesen

Ein Kurban für Gambia

Nach dem Fest ist vor dem Fest

Gerade verblassen die Erinnerungen an das Ramadanfest, da steht schon das nächste Fest vor der Tür. Das Opferfest ist das größte Fest der Muslime. Jedes Jahr schließt das Opferfest die Hadsch in Mekka ab, und jeder Pilger lässt einen Hammel (Kurban) schlachten in Gedenken an Abraham, der bereit war seinen Sohn Gott zu opfern. Der Sohn wurde dann schließlich durch einen Hammel ersetzt. Um an dieses konfessionsübergreifende Tradition zu erinnern, schlachten auch in Gambia alle Familienväter, die es sich leisten können, einen Hammel. Doch in Gambia liegt die Betonung auf „die es sich leisten können“.

Das können in Gambia nur die Wenigsten. Ein Hammel in Gambia kostet ca. 160€, das sind fünf Monatsgehälter eines einfachen Arbeiters. Wie gerne würde jeder Familienvater ein Opfertier schlachten, erstens um sich der islamischen Gewohnheit anzuschließen, ein Opfer für Allah zu bringen aber auch, weil es eine der wenigen Gelegenheiten in der Gesellschaft ist, Fleisch zu essen. Dieses Gelegenheit gibt es für den durchschnittlichen Gambianer nur zweimal im Jahr zu den beiden Festen. So wünscht sich jeder von Herzen, einmal im Leben auch ein Opfertier zu bekommen.  Ein Kurban für Gambia weiterlesen

Unsere Witwen sind glücklich …..

Unsere Witwen sind glücklich …..

… weil immer mehr Menschen erkennen, dass Witwen und Waisen die Ãrmsten der Gesellschaft sind. Kleine tägliche Einkommen machen die Zutaten für das tägliche Essen möglich, doch der monatliche Sack Reis, der soviel kostet wie das Gehalt eines einfachen Arbeiters, machen den Frauen und ihren Kindern das Leben schwer.

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Unser Witwen-Reis-Projekt ist eins unserer besten Projekte, da es quasi von den Bedürftigen selbst entwickelt wurde. Viele Witwen kamen in unser Büro und fragten nach einer Unterstützung, die der Witwe  hilft, die Familie zu ernähren. Beim mehr und mehr Anfragen, kamen wir dann schließlich auf die Idee, Reissäcke zu verteilen, um das tägliche Essen der Familien zu sichern. Da wir in der Regel kein Bargeld verteilen, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass es hin- und wieder anders eingesetzt wird, als besprochen, sind wir mit der Lösung, die Reissäcke zu kaufen und sie dann in unserem Büro zu verteilen, recht zufrieden. Die Witwen kommen dann in unser Büro und bestätigen mit einem Fingerabdruck, dass sie den Reis erhalten haben.

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Armut! Schicksal oder Absicht?

Eine junge Dame in Deutschland, die demnächst ihre Abi-Klausur in Politikwissenschaft schreibt, stellte mir kürzlich ein paar Fragen zur Entwicklungshilfe, die mich auf die Idee zu diesem Artikel gebracht haben, den ich über ihre Fragen hinaus noch erweitert habe.

Was ist eigentlich Armut?

Die Weltbank definiert Armut mit einem Dollarbetrag von 1,25 USD pro Tag und Person. Das ist mehr als so mancher Arbeiter in Gambia verdient. Stellen wir uns weiterhin vor, dass jemand in Deutschland diesen Betrag zur Verfügung hätte, damit würde er definitiv nicht überleben. Armut Ball mit Lochüber einen Geldbetrag zu definieren finde ich daher fragwürdig. Die Kinder auf dem Bild oben kommen aus einem Dorf in Gambia. In dem ganzen Dorf gibt es zwei Wasserhähne, von denen einer jetzt gerade geschlossen wurde. Das einzige Spielzeug aller Kinder im Dorf ist ein Ball mit einem Loch. Und dennoch freuen sie sich über ihren Ball mehr als unsere Kinder, über ein neues iPhone. Dass diese Kinder im Herzen nicht arm sind, sieht man wohl auf dem Bild. Eine der Bewohnerinnen dieses Dorfes zeigte mir einmal ihr Mittagessen, das sie zubereiten wollte. Es war eine Mango, ein Maggiwürfel und eine Pfefferschote. Das nenne ich Armut. Bei unserem nächsten Besuch brachte ich ihr einen Sack Reis mit. Sie hat sich vor Freude in den Sand geworfen. So ein großes Geschenk hätte sie noch nie bekommen, sagte sie später. Ich war zu Tränen gerührt und denke noch oft an dieses Ereignis. Schlau, wenn sich diese Leute, dann einen kleinen Garten anlegen, um wenigstens immer Gemüse zu haben.  Armut! Schicksal oder Absicht? weiterlesen

Auf der Suche nach Individualität

„Das größte Streben des Menschen ist der tiefe Wunsch nach Anerkennung.“

William James

Beeindruckt von diesem Satz glaube ich , dass die meisten Menschen, wenn nicht unbedingt Anerkennung dann doch zu mindest Aufmerksamkeit möchten.

In Ländern wie Gambia, das in Großfamilien organisiert ist, gibt es vergleichsweise eher wenig Nachnamen. Auch die Vornamen sind nicht so vielfältig. Sie orientieren sich vorzugsweise an den großen Persönlichkeiten des Islams, und speziell der Prophetenfamilie.

Nun stell dir einmal vor, du bist ein Mädchen in einer gambischen Highschool. Du trägst eine Uniform, weil das aus der britischen Kolonialzeit  noch übrig geblieben ist. Wenn du also die Schule betrittst, sehen alle so aus wie du. Du gehst in deine Klasse, jemand ruft deinen Namen „Fatou“ und 5 Mädchen drehen sich um. Im Klassenverzeichnis gibt es dann fast jeden Nachnamen mindestens doppelt.

Kein Wunder, dass einige der Mädchen nun auf jeden Fall irgendwie auffallen und aus der Rolle fallen wollen. (Interessant: 2x fallen, was das nun wieder zu bedeuten hat?)

Um dieser Namensgleichheit entgegenzuwirken, geben sich die Schüler Spitznamen. Manchmal sind es die Initialen, manchmal Abkürzungen, häufig auch Namen von Promis. Um dann nicht in Vergessenheit zu raten, schreiben sie dann an die Wände der Klasse zum Beispiel „Remember FC“. Traurig, wenn das die einzige Möglichkeit ist, in Erinnerung zu bleiben.

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Alt sein in Gambia…..

Alt sein in Gambia ….. ist etwas Herrliches. Nun, wirst du vielleicht denken, bei all der Armut, was ist daran herrlich. Es ist die Menschlichkeit. Alt werden in der Geborgenheit der Familie. Mit der Weisheit des Alters, dem Respekt und der Ehre, die einem Familienoberhaupt zuteil wird. Sie helfen und bringen sich in das Familienleben ein, so lange und so gut es eben geht. Und wenn es dann irgendwann nicht mehr geht, wird es eben langsamer, und die nachfolgenden Generationen verwöhnen die Älteren so gut und liebevoll sie es können. Bei der Größe der Familie sind sie nie allein und können sich immer dazusetzen zum Reden.

Eine große Überraschung war es für mich, als ich erfuhr, dass es EIN Seniorenheim in Gambia gibt. Ich konnte es erst gar nicht glauben, aber wir haben dann tatsächlich auch die Möglichkeit bekommen, das eine Seniorenheim mal zu besuchen.

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Müll in Afrika -A Never Ending Story

Wie in den meisten afrikanischen Ländern ist die Müllbeseitigung ein echtes Problem. Vor knapp 2 Jahren, schrieb ich in einem Artikel, dass der damalige Präsident innerhalb einer Woche beschlossen hatte, alle Plastiktüten aus dem Land zu verbannen. Ich war angenehm überrascht wie problemlos und nachhaltig das funktioniert hat. Seitdem gibt es nur Stofftüten. Das ist auch gut so, denn weniger gebildete Leute verbrennen alles, ob Plastik, Autoreifen (manchmal auch ganze Stapel) oder anderes Verpackungsmaterial vor ihrer Haustür und verursachen Höllenqualen für Asthma-Patienten, von denen es hier überdurchschnittlich viele gibt. Die Luftverschmutzung durch nicht vorhandene Katalysatoren und einer Mehrheit von Autos, die weit über 20 Jahre alt sind, ist enorm. Hier wäre ein Training für Umweltbewusstsein von Nöten.

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Ganz besonders hat es immer die Kinder des SOS-Kinderdorfes betroffen. Der einzige Müllplatz des Landes ist genau gegenüber des Kinderdorfes. Der Müll auf dem Platz, der gut mehrere Fußballfelder groß ist, wurde ständig angezündet.

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Gambia und seine Präsidenten: Ein Tagebuchbericht

Gambia und seine Präsidenten: Ein Tagebuchbericht
10 Tage vor der Vereidigung des neuen Präsidenten und die Tage danach.

Tag 10 – 9.1.17 Montag

Morgens ins Büro gegangen. Wir haben noch weiter am Jahresabschluss gearbeitet, aber es war schwer bei der Sache zu bleiben. Heute soll das Meeting der Westafrikanischen Staatspräsidenten im Rahmen der Inauguration des neuen Staatschefs in Ghana stattfinden. Alle warten gespannt auf die Ankündigungen. Abends wurde dann mitgeteilt, dass die Ecowas-Spitzen sich am 11.1. Mittwoch mit Präsident Jammeh zu einem letzen Gespräch treffen wollen. Nun ja, wir hatten mehr erhofft.

Tag 9 – 10.1.17 Dienstag

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Ich will helfen, habe aber kein Geld

Immer wieder erhalte ich emails oder Whatsapp Nachrichten, in denen die Begeisterung für unsere Projekte ausgesprochen wird, und dann kommt oft noch ein Nachsatz „Ich würde euch so gerne helfen, aber ich habe kein Geld“. 

DAS MACHT NICHTS. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie ihr helfen könnt.

Ich schreibe jetzt ein 10-Punkte-Programm, mit dem ihr Möglichkeiten zu helfen habt. Es sind nur Vorschläge, jeder sucht sich einfach das heraus, was ihm möglich ist. 

1. Bittgebete sind immer willkommen. Gebete sind so ein starkes Mittel Gutes herbeizuführen. Also scheut euch nicht, alle Armen und Bedürftigen in euere Gebete mit aufzunehmen. 

2. Wenn du dieses liest, sitzt du entweder vor einem Handy, Tablet oder Computer. Naturgemäß wirst du dann auch hin und wieder eine Suchmaschine benutzen. 
Warum nicht statt Google mal benefind. Benefind funktioniert genauso wie Google, spendet aber einer Organisation deiner Wahl für jede zweite Suchanfragen einen Cent. Bis jetzt haben wir schon knapp 100€ gesammelt, das sind immerhin 20.000 Suchanfragen. Auch du kannst dabei sein. 

Einfach die Seite aufrufen „benefind.de“ bei Auswahl ändern „Help the poor and the needy e.V.“eingeben, bestätigen und lossuchen. Dann einfach die Seite auf dem Hauptbildschirm abspeichern und künftig als Browser benutzen, so spendet ihr Geld ohne es zu merken. 

3. Lest euch einfach mal unsere Homepage durch http://www.helpthepoor.de. Dann wisst ihr was wir machen und habt einen guten Überblick. 

4. Noch mehr Details gibt es auf unserem Blog http://www.empathymitgefuehl.wordpress.de, den du gerade vor dir hast. Hier dokumentiere ich mittlerweile seit 2014 die Arbeit unseres Verein und wie spannend es ist über den Tellerrand Europa hinauszuschauen. 

5. Auch auf Twitter sind wir unter dem Namen helpthepoor.de zu finden. Eine Auswahl der Posts findest du auch auf der Startseite dieses Blogs. Beim Handy bitte nach unten scrollen.

6. Selbstverständlich hat der Verein auch eine fb-Seite. Auch hier werden immer die aktuellen Projekte vorgestellt. Derzeit haben wir 431 Follower (Stand 4.1.17), ein Traum wären ja 500 Likes. Meint ihr wir bekommen das hin?

7. u. 8. Auf WhatsApp und Telegram gibt es mittlerweile sehr aktive Gruppen mit regem Gedankenaustausch und zusätzlich die Broadcasting Funktion bei WhatsApp und einen Kanal bei Telegram, auf dem ausschließlich Informationen versendet werden, ohne Austausch mit anderen. Wer in die Gruppen möchte, bitte kurze email an mich, für den Broadcast auf Whatsapp sendet mir bitte eure Telefonnummer mit Namen an unsere mailadresse, für den Kanal auf Telegram gibt es folgenden Link: 

https://telegram.me/Helpthepoor

9. Bei Instagram unter dem Namen helpthepoor.de findet ihr immer wieder aktuelle Fotos mit Kurzbeschreibungen. 

10. WEITERLEITEN WEITERLEITEN WEITERLEITEN. Alle diese Hinweise dienen dazu den Leser auf den neusten Stand der Projekt zu halten. Eure Hilfe für uns wäre, dass ihr weiterleitet, was ihr gut findet. Ist das ok für euch?

Und falls ihr dann doch mal ein paar Euro übrig hättet, könntet ihr euch zum Beispiel an folgenden Projekten beteiligen.

Ein kleines aber feines Projekt ist unser Glühbirnenprojekt, sehr ausführlich hier auf diesem Blog beschrieben. Es geht um Glühbirnen, die eine kleine Batterie enthalten, damit das Licht nach einem Stromausfall (und den haben wir hier mehrmals täglich) nicht mehr ausgeht, sondern weiter leuchtet. Eine große Hilfe, denn die Alternative sind Kerzen (mittlerweile mussten wir schon 4 Brandopfern bei dem Wiederaufbau ihrer Häuser helfen, Glühbirnen sind definitiv billiger). Eine Glühbirne kostet 5€. Derzeit betreuen wir 140 Familien und würden so gerne jeder Familie eine Glühbirne schenken. 57 Glühbirnen haben wir schon. Geht da noch was?

Andere Projekte findet ihr auf betterplace.org. Das ist eine Crowdfunding-Seite. Hier kann jeder so viel spenden wie er möchte. Derzeit haben wir vier Projekt auf Betterplace stehen. 

Alle Projekte sind im Blog ausführlich beschrieben. Da der Verein gemeinnützig ist, können wir Spendenbescheinigungen ausstellen. Also auch interessant für Firmen. 

Wenn du Lust hast, dich irgendwie einzubringen oder Fragen und Anregungen hast, schicke mir doch eine email. Ich freue mich über jede Nachricht und bemühe mich auch sie noch am gleichen Tag zu beantworten. mail@helpthepoor.de

Danke, dass du diesen Artikel zu Ende gelesen hast. 

Wenn die Angst sich in den Alltag einschleicht

5 Stunden nachdem letzen Artikel auf dieser Seite ereignete sich das, was keiner gewollt, aber viele befürchtet hatten. In einem anfänglichen fast rührenden Telefonat mit dem neu gewählten Präsidenten gratulierte der noch Amtierende ihm vor laufenden Kameras zur gewonnen Wahl. Das war am Abend des 2. Dezembers. Am Abend des 9. Dezembers zog der scheidende Präsident die Zustimmung zu seiner Niederlage wieder zurück und erklärte, dass er alles dafür tun würde, im Amt zu bleiben.

Als erste Reaktion fühlte sich die Bevölkerung irgendwie belustigt. Das Wochenende verging und jeder hoffte, dass er noch zur Besinnung kommt. In den Folgetagen kamen Staatspräsidenten aus anderen West-Afrikanischen Ländern, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Selbst seine Mutter und eine Gruppe der wichtigsten Imame des Landes versuchten ihn zur einer friedlichen Übergabe zu überreden. Doch alles blieb ohne Erfolg. Inzwischen steigerte sich seine Wortwahl in hasserfüllte Drohungen mit der Verwendung des Wortes „Krieg“ und schlug schließlich in die Aberkennung der Wahlergebnisse um. Er fordert es vor dem obersten Gericht zu klären und will am 10.1. Neuwahlen per Gericht erzwingen. Derzeit ist es ein Hin-und Her der Richter, ob sie bleiben oder gehen. Die Situation ist derzeit sehr unübersichtlich.

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Ein Land erwacht

Erst ganz langsam wird mir klar, dass wir im kleinsten Land auf dem afrikanischen Kontinent einem sensationellen Großereignis beigewohnt haben. Jeden Tag gibt es neue Geschichten, die von totaler Begeisterung bis tiefe Trauer reichen.

Die Gambianer hatten die Wahl zwischen drei Kandidaten: dem ehemaligen Präsidenten, einem Vertreter Volksstammes der Fula und einem Vertreter der Maninka, die die größte Volksgruppe in Gambia stellen.

Der ehemalige Präsident hat dieses Mal, warum auch immer, zugelassen, dass es ein Spotcounting (Auszählung im Wahllokal)  gab. Als er dann jedoch bemerkte, dass es knapp wird, wollte er die Wahlurnen ins Statehouse bringen lassen.

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Elephantiasis …

…. Eine Krankheit die das Leben sehr beschwerlich macht, denn die Gliedmaßen können auf eine ungeahnte Dimension anschwellen und die Betroffenen bewegungsunfähig machen. Elephantiasis kann angeboren sein, in den meisten Fällen ist es aber eine Infektionskrankheit, die durch kleine Würmer ausgelöst wird, die in das Lymphsystem eindringen und es quasi lahmlegen.

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Zwangsweise offline

Aufregende Stunden liegen hinter uns. Gestern wurde in Gambia gewählt. Sie wählten einen neuen Präsidenten. Das ist in Afrika immer eine große Sache. Die Stimmung im Land war seit Wochen schon sehr angespannt. Wir als Normalbürger haben diese Stimmung darin gespürt, dass das Internet immer mehr eingeschränkt wurde, damit so wenig Informationen wie möglich nach außen gehen. Für uns als NGO unerträglich, wenn wir die Sponsoren nicht mehr erreichen können. So quälten wir uns dann über VPN-Server und andere Programme, um mit unseren Freunden und Unterstützern in Kontakt zu bleiben.

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Bitte lasst eure Medikamente nicht in der Schublade vergammeln!

Wohl dem der vom Arzt Medikamente verschrieben bekommt, dann in die Apotheke geht und sie einfach so oder für wenig Geld bekommt. In Gambia ist das leider etwas anders. Hier musst du erst einmal Gebühren bezahlen, um als Patient registriert zu werden, dann bekommst du eine Beratung, und schließlich musst du dir alle Medikamente selbst kaufen. Auch das wäre vielleicht nicht bei allen das Problem. Aber was, wenn es die Medikamente gar nicht gibt? Das passiert leider häufiger als man denkt.

Dazu zunächst eine kleine Geschichte. Eine Bekannte von uns, 46 Jahre alt, litt unter hohem Blutdruck. Gelegentliche Arztbesuche halfen ihr damit umzugehen. Eines Abends fühlte sie sich nicht so gut, alle anderen Familienmitglieder schliefen schon, so machte sie sich alleine auf den Weg zum nächstgelegenen Krankenhaus. Es war nicht weit nur etwa 5 Minuten mit dem Taxi. Dort angekommen stellten sie einen sehr hohen Blutdruck fest, hatten aber derzeit keine Medikamente dagegen.

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Die Sache mit dem Strom

Für unser Projekt „Nähen statt Lampedusa“ haben wir die Anschubfinanzierung schon gesichert. Allerdings ist jetzt ein Problem aufgetreten, mit dem wir so nicht gerechnet haben. Es scheint ein etwas größeres Problem in ganz Gambia mit dem Strom zu geben. Es gibt keine Stromquellen, die hier angezapft werden können. Keine Windenrergie, Solaranlagen nur in Privatbesitz Erdöl sowieso nicht. Es gibt nur Plants (übergroße Generatoren), die natürlich mit Diesel gefüllt werden müssen.

Seit über einem Monat nun gibt es selbst um die Hauptstadt herum nur nachts 4 Stunden Strom. Für eine Nähwerkstatt mit 10 elektrischen Nähmaschinen ein NoGo. Um unser Projekt nicht zu gefährden, wollen wir und nun unabhängig von diesem Problem machen und eine kleine Solaranlage für unsere Nähwerkstatt kaufen. Bisher sind bereits 315€ Spendengeldern eingegangen.

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Hilfe! Wir brauchen eure Hilfe!

Seit 18 Jahren nunmehr leiten wir den Verein „Help the poor and the needy e.V“. Dank großartiger Spender, konnten wir den Ärmsten der Armen helfen, Notfallhilfe leisten, Ausbildungen für eine nachhaltige Stabilisierung der Familien bewirken, Witwenhilfe und vieles andere mehr.

Wie an anderer Stelle schon beschrieben, gehen eure Spenden zu 100% in die Projekte. Um das weiterhin gewährleisten zu können, brauchen wir  „offene Spenden“ d.h. Spenden, die keinem Projekt zugeordnet werden. Diese Spenden werden dazu verwendet, unsere Bürokosten wie 3 Angestellte, Strom, Internet, Telefon, Computer, Büromaterial, Transportkosten etc. zu bezahlen. Derzeit belaufen sich unsere Verwaltungskosten auf 400€ monatlich. Das wurde bisher gedeckt durch Daueraufträge einiger lieber Spender.

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Die Witwen von Gambia …..

…. sie brauchen unsere Unterstützung am dringendsten. Aus diesem Grund haben wir im August das Witwen-Reis-Programm gestartet. Bis jetzt profitieren 18 Witwen davon, indem sie jeden Monat einen Sack Reis von uns bekommen. Obwohl wir stets bemüht sind, nachhaltige Projekte zu initiieren, müssen wir doch auch schauen, wo die Not am größten ist und dort helfen.

Die Mehrheit der bei uns registrierten Witwen leben unter ähnlichen Bedingungen. Einige von ihnen sind noch recht jung mit Mitte 40 und sind Mitglied vom Bakau-Women-Garden. Dort haben sie ein Beet, das sie bewirtschaften können, und den Ertrag auf dem Markt verkaufen. Der Ertrag reicht mit ein wenig Glück für das tägliche Fishmoney. Doch ein monatlicher 50 Kg Sack Reis für 25€ oder gar Schulgebühren für die Kinder ist davon nicht finanzierbar. In Gesprächen mit ihnen dreht sich immer alles um den monatlichen Sack Reis. Wenn du den hast, gehst du wenigstens nicht hungrig schlafen.

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Bewegende Momente

Eigentlich wollte ich diesen Blog sofort schreiben, als ich wieder zu Hause war, doch ich war immer noch so gerührt von dem, was ich gesehen hatte, dass ich es wohl erst einmal verarbeiten musste.

Wie ihr ja wisst, helfen wir viel in dem Dorf Kuloro – Dar-us-Salam (kurz: Kuloro). Weil es dort aber so viel Armut gibt, sehen wir immer mehr Schicksale, und es entwickelt sich zu einer Never-Ending-Story. Und das ist gar nicht böse gemeint, denn wir gepamperten Westeuropäer können hier viel wieder gut machen. Wer von meinen Lesern an das Paradies glaubt und die Aktionen, die es erfordert dorthin zu kommen, kann hier tätig werden und viele gute Taten sammeln.

Doch nun zur Geschichte selbst. Bei unserem ersten Besuch in Kuloro begegnete ich einer Frau, die mich spontan umarmte und mit den paar Worten Englisch, die sie sprach, mich wiederholt als ihre Freundin bezeichnete. Sie war dabei immer so fröhlich, dass mir ganz warm ums Herz wurde.

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Regenzeitopfer

Wir kennen sie alle, die Bilder von Unwetteropfern. Sei es aus fernen Ländern oder nur einige Kilometer entfernt aus dem eigenen Land. Umgestürzte Bäume, Hochwasser, heruntergefallene Ziegel oder zerstörte Autos. Wir fühlen Mitleid mit den Betroffenen und der nächste Gedanke ist dann, wie kann geholfen werden? Doch mal ehrlich, der übernächste Gedanke ist dann ….. das regelt die Versicherung oder darum muss sich die Regierung kümmern… und schwupp ist der Mitleidsgedanke wieder weg. Not so?


Ganz anders in Gambia. Über die von der Weltbank errechnete Armutsgrenze von knapp 2 Dollar pro Tag, können wir hier nur lächeln. 2 Dollar pro Tag (60 Dollar pro Monat) ist hier ein Gehalt eines mittleren Angestellten. Wovon reden wir dann bei einfachen Arbeitern oder gar Arbeitslosen? Und was passiert, wenn sie ihre Dächer durch einen Sturm verlieren? Die  Dann springt keine Versicherung ein und die Regierung schon einmal gar nicht. 

Denjenigen, die nicht einmal genug zum Essen haben, bleibt also nichts weiter übrig, als ihre Dächer mit Sandsäcken oder Autoreifen zu sichern und zu beten, dass das Dach nicht wegfliegt. Vielleicht auch in der Hoffnung, dass damit einige der Löcher abgedeckt werden, durch die es immer wieder ins Innere hineinregnet. 




So schön die Sonnenpunkte auf dem Lehmbett auch aussehen. Wenn es regnet, haben die Löcher eine andere Wirkung. 

Ich kann euch noch unzählige Geschichten Betroffener erzählen, doch möchte ich diese Gelegenheit lieber nutzen, um an unser Notfallkonto zu erinnern. Uns erreichen beinahe täglich Notrufe von Hilfesuchenden, die Probleme mit den Wassermassen, die in Afrika während der Regenzeit vom Himmel kommen. Das ist nicht zu vergleichen mit einem deutschen Regen. Die Zerstörung anschließend ist oft groß, auch weil die Häuser aus Armutsgründen meist nur aus Lehm mit Wellblech gebaut sind. Zementblocks sind einfach zu teuer. 

Ich weiß, es ist immer schöner für eine bestimmte Person, ein Schulkind, oder eine Witwe zu spenden. Doch was mit den vielen noch nicht namentlich Genannten, die unsere Hilfe vielleicht noch dringender brauchen. Bitte spendet auch für sie unter dem Vermerk „Notfallhilfe“. Wasser, Wind und auch Feuer haben schon soviele Wohnsituationen von Menschen zerstört, die sich den Wiederaufbau nicht leisten können. Gerade vorgestern, kurz bevor wir in „unser“ Dorf aufgebrochen sind, kam unsere Nachbarin vom Büro ca. 80 Jahre alt und flehte uns an, ihr zu helfen. Aus einer Wand ihres Hauses sind beim letzten Regen schon einige Steine herausgefallen und nun droht die Wand mit der Eingangtür und damit das ganze Haus einzustürzen. Hier ist nicht nur ein Sachschaden abzusehen, sondern auch Menschenleben in Gefahr. 


Auch wir selbst hatten Probleme und sind nicht überall leicht durch gekommen. In manchen Momenten wurde auch mir etwas bange ums Herz. Aber Gott sei’s gedankt, wir konnten unsere Projektrundfahrt erfolgreich beenden. 


Wer von euch für die vielen Opfer der jährlichen Regenzeit spenden möchte, kann dies gerne hier tun.

Help the poor and the needy e.V.

Verwendungszweck: Notfallhilfe

Ich danke für eure Aufmerksamkeit, dass ihr diesen Artikel zu Ende gelesen habt. 

Tobaski hat nichts mit Tobacco zu tun

Tobaski ist der gambische Name für das Opferfest der Muslime, im Arabsichen Id-ul-Adha genannt. Es wird am 10. Tag des Dhu-l-Hiddscha (in diesem Jahr voraussichtlich am 12.9.) gefeiert, am Ende der großen Pilgerfahrt nach Mekka. Es ist das größte Fest der Muslime und führt auf die Begebenheit Ibrahims (Abrahams) zurück, als Gott ihn aufforderte Ihm sein Liebstes, seinen Sohn, zu opfern. Ibrahim tat, wie ihm befohlen wurde. Gott erließ ihm daraufhin das Opfer und tauschte den Sohn gegen einen Hammel aus. 
In Erinnerung an diese sowohl biblische als auch koranische Geschichte, gedenken die Muslime dieser aufopferungsvollen Gottesfurcht Ibrahims, in dem sie einmal jährlich einen Hammel oder ein anderes Weidetier schlachten. 

Eine Überlieferung des Propheten Muhammad (sws) lautet dazu: „Oh Ihr Leute, es obliegt der Familie eines jeden Hauses, jedes Jahr ein Opfertier zu schlachten. (Hassan Ibn Ahmad, Abu Dawud)

Auch in Gambia ist es das größte Fest im Jahr, und das ganze Land freut sich auf das große Beten. Jeder zieht neue Kleider an, und die Familien gehen geschlossen in die Moscheen. Wenn das Wetter gut ist, wird auf den Vorplätzen der Moscheen gebetet unter Palmen und blauem Himmel. Da Gambia ein sehr farbenfrohes Land ist, ist die Begegnung mit den vielen Menschen ein wahre Augenweide. Nach dem Beten gehen alle nach Hause, um ihr Schaf zu schlachten. 

In meinen Posts oder emails habt ihr vielleicht schon gelesen, dass wir dazu aufrufen, Opfertiere nach Gambia zu spenden. Dieses Opfertier heißt bei den Muslimen Qurban. Das Wort Qurban kommt von dem Verb „qaruba“, das im Arabischen soviel heißt wie „sich nähern“. 

Damit ist der Zweck des Opferns weder das Fleisch noch das Töten, sondern das „Sich-Annähern“ an Gott. So steht es auch im Quran geschrieben: 

Sicher erreicht nicht ihr Fleisch Allah, und nicht ihr Blut, sondern es erreicht ihn die Gottesfurcht von euch. (22:37)

Unter dem Gesichtspunkt, dass nur ein Teil des Fleisches selbst gegessen, der größere Teil jedoch gespendet werden sollte, stärkt das jährliche Opfern die Solidarität und den Geist der Gemeinschaft. Diese Gewohnheit des Teilens ist somit ein Beitrag zu sozialer Gerechtigkeit, denn auch die Empfänger fühlen eine Dankbarkeit gegenüber Allah und fühlen sich als angesehene Mitglieder der Gesellschaft. Die so empfundene Solidarität lässt keinen Neid oder andere feindlichen Gefühle entstehen, die sonst durch Ungerechtigkeiten hervorgerufen werden können. 

Da in Deutschland das private Schlachten verboten ist, spenden viele ihre Qurban in Länder, in denen sich die meisten Menschen keinen eigenen Hammel leisten können. So haben die wohlhabenden Muslime ihre Opferpflicht erfüllt, und die ärmere Bevölkerung hat die Chance sich ebenso als Mitglieder der islamischen Gemeinschaft zu fühlen.  

Diese Geste lässt die Gemeinschaft immer wieder näher zusammenrücken und ruft zum Mitgefühl auf. Da wir unter unseren Followern auch Nicht-Muslime haben, die vielleicht mit dem Brauch des Opferfests nicht vertraut sind, war es mir ein Bedürfnis, dazu ein paar erklärende Worte zu posten. 

Fragen und Anregungen gerne unter 

mail@helpthepoor.de

Was ist „das sprechende Vögelchen“?

Gambia hat als kleinstes Land auf dem afrikanischen Kontinent „nur“ acht Volksgruppen und deren Sprachen. Kenia beispielsweise hat etwa 40 Volksgruppen und Nigeria über 400. Dennoch sind sich auch die acht in Gambia nicht immer grün. Besonders in punkto Sprachen. 

Die größte Bevölkerungsgruppen nach ihrer Häufigkeit gegliedert sind Mandinka, Fula, Wollof, Jola, Serahule und Serer. Die Mandinka-Bevölkerung war früher Bestand des Malinke-Reichs, das heute noch 7 Länder umfasst. Wollof hingegen wird nur in Senegal und Gambia gesprochen. Irgendwie wird es dennoch von der Mehrheit der Bevölkerung stillschweigend hingenommen, dass die drittgrößte Gruppe der Wollof (16%) den Ton angibt. Die meisten Wollofs leben in der Hauptstadt und arbeiten in der Regierung, also ….. So ist es üblich, wenn du bespielsweise ein Taxi besteigst, dass Fahrer und Fahrgast miteinander Wollof sprechen, obwohl vielleicht beide Mandinka sind. Die Hassliebe unter den Volkgruppen geht so weit, wie auch in anderen Regionen der Welt üblich, dass ein Mädchen aus der einen auf keinen Fall einen Mann aus der anderen heiraten sollte. Nun ja, das sind glücklicherweise immer mehr Ausnahmen.  

Obwohl die Mandinka (42%) mit Abstand die größte Bevölkerungsgruppe sind, ordnen sie sich sprachlich quasi unter und sprechen Mandinka nur, wenn sie unter sich sind. Einigen Mandinka gefällt das gar nicht, und sie kultivieren regelrecht ihre Sprache und ihre Kultur. Die Mandinka-Sprache hat Elemente aus dem Arabischen, einige portugiesische, französische und natürlich auch englische Wörter. Besonders die modernen Dinge des Alltags sind der Einfachheit wegen aus dem Englischen übernommen. Nun gibt es eine Tendenz, dass auch diese Wörter wieder „re-mandinkanisiert“ werden sollen. Dabei entstehen entzückende Worte, die ich euch nicht vorenthalten möchte. 

So ist beispielsweise ein Computer auf Mandinka „fending no la ba“ (übersetzt: ein Gerät, das alles weiß). Ein Flugzeug ist „kulung tila“ (übersetzt: ein Schiff, das fliegt) und ein Professor ist ein „lo na ba“ (übersetzt: er weiß viel). Meine absoluten Lieblingsworte sind aber die Mandinka-Worte für Telefon „kunun-ding kumala“ (übersetzt: das sprechende Vögelchen) und das für Radio „Kunneh-ring diamula“ (übersetzt: die kleine sprechende Box). Ist das nicht wunderbar? Nun schauen wir mal, ob sich die Tradionalisten mit ihrer Sprachoriginalität durchsetzen können, und die neumodischen Wörter wie Radio, Telefono, Pley-no, Boat oder Professor aus dem Wortschatz verschwinden. 

Aufmerksam wurden wir auf dieses Phänomen durch eine Radiosendung, in der der Wunsch der Traditionalisten diskutiert wurde. Für die Sprache und die Kultur wäre es bestimmt eine Bereicherung, doch vielleicht sollte es doch jedem überlassen bleiben, welches Wort er benutzt, so lange alle immer noch wissen, wovon der andere spricht. 

Probleme, die keiner ahnt

Oft werden wir gefragt, ob das eine oder andere Projekt, das von unseren lieben Unterstützern in Deutschland finanziert wird, denn schon angelaufen ist. Da in Gambia die Mühlen etwas langsamer und etwas umständlicher mahlen, und ich sehr gut verstehe, dass in dem schnelllebigen Deutschland den hier vorgegebenen Rhythmus kein Mensch nachempfinden kann (ich hatte auch große Mühe das anzunehmen), möchte ich euch etwas aus unserem NGO-Alltag berichten. Ich greife jetzt mal eine beliebige Zeitspanne aus unserem Alltag heraus und schildere euch unsere Arbeit.

Eines vorne weg. Ich liebe meine Arbeit für den NGO. Ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen, den Ärmsten dieser Welt, das Leben ein wenig lebenswerter machen. In glückliche Augen schauen, ein Lächeln zu bekommen und jeden Abend mit dem Gefühl ins Bett zu gehen, etwas Gutes getan zu haben. Wenn die nachfolgende Ausführung jetzt vielleicht etwas zäh klingt, dann soll es nur zeigen, dass es nicht so easy-Going ist wie in Europa, sondern oft mit einigen Hindernissen verbunden ist.

Tag 1

Wissend, dass am folgenden Tag unsere erste Reisausgabe für die Witwen sein wird, müssen noch viele Arbeiten zuvor erledigt werden. Der Großhändler muss informiert werden, dass er 17 Säcke Reis bereit hält, und die Witwen müssen informiert werden, am nächsten Tag zum Treffpunkt zu kommen. Glücklicherweise war das der erste Arbeitstag eines neuen Mitarbeiters, der vorher schon stundenweise bei uns gearbeitet hatte. Im Vorfeld dieser Aktion mussten natürlich die ersten Witwen, für die Sponsoren gesucht wurden, aus einer Masse von mehr als 70 Witwen selektiert werden. Das nahm auch etwa einen halben Tag in Anspruch. Nun sind sie aber ausgesucht, haben einen Sponsor gefunden, das auch etwa vier Wochen Arbeit war, und sie sollen morgen für ihren ersten Reissack kommen. Sie zu erreichen, stellte sich dann auch als schwerer heraus als erwartet. Viele arbeiten den ganzen Tag im Garten, und sind nicht erreichbar. Andere hatten die Telefonnummer der Kinder angegeben, die dann vergaßen der Mutter Bescheid zu sagen. Wieder andere hatten ihre Nummer geändert usw….. Schließlich nahm unsere Mitarbeiterin die Liste mit nach Hause und wollte es abends noch weiter versuchen.

Der Großhändler musste auch besser persönlich aufgesucht werden, da das Telefon als Hilfsmittel für Geschäftsabschlüsse in Gambia nicht wirklich anerkannt ist. Ihr seht mal eben schnell die Säcke bestellen und mal eben schnell die Empfänger anrufen ist nicht.

Die Auswahl der Witwen war auch nicht ohne. Jedes Mitglied bei uns muss einen Antrag ausfüllen und seine Lebenssituation beschreiben. Da die meisten Analphabeten sind, muss es auch dafür einen Mitarbeiter geben, der die ganze Sache aufnimmt. Außerdem ist das Formular in Englisch. Da die Betreffenden aber oft nicht zur Schule gegangen sind, muss es also erstmal in Mandinka übersetzt werden. Bei der Frage nach der Telefonnummer zücken sie dann ihr Handy und erwarten, dass du ihre Nummer in dem Handy suchst. Sie sind alle so süß, dass ich sie immer nur knuddeln könnte, wenn es nicht alles so viel Arbeit machen würde.

Eine liebe Spenderin hat für sieben Frauen ein Start-Up Kapital von 50€ gespendet. Auch das musste gut vorbereitet werden. Wieder die etwas mühselige Auswahl und dann das Informieren der Empfängerinnen. Soweit so gut, inzwischen sind alle informiert, und wir beten, dass am nächsten Tag alles glatt geht.

Nicht zu vergessen die täglichen Neuaufnahmen, die dann im Team diskutiert werden müssen und die naja, nicht so spannende Buchhaltung. Parallel zu alledem immer wieder den Mitgliederstand durchsehen, wer kann bleiben und wessen Situation hat sich so verbessert, dass er einem anderen Platz machen kann.

Tag 2

Morgens Treffen beim Großhändler zur Reisausgabe. Hier ging es dann mal richtig turbulent zu. Von einigen, besonders den Gehbehinderten, kamen die Kinder. Nun hieß es alle richtig zu ordnen, dann dem Gewusel der Schubkarrenfahrer Herr werden, doch am Ende gab es jede glückliche Gesichter und jede Menge Gebete für die Sponsoren.

img_0244Nachdem die letzte Witwe zwei Stunden zu spät gekommen war, schnell zurück ins Büro, weil dort schon die Start-Up-Frauen warteten. Obwohl das Start-Up ein Geschenk ist, lassen wir die Frauen den Betrag in 10 Monatsbeträgen wieder zurückzahlen, um es ihnen nach der Rückzahlung noch einmal zu geben. Diese Aktion dient dazu, dass sie es ernst meinen und seriös mit dem Geld umgehen. Anderenfalls muss man bei so großer Armut damit rechnen, dass andere Dinge von dem Geld bezahlt werden. Ein vorbereiteter Rückzahlungsplan und einige Regeln wurde ihnen ausgehändigt, dann mit Fingerabdruck unterschrieben, und alle waren glücklich. Wieder Gebete für die Spenderin, und sie gingen nach Hause.

Mittlerweile war es etwa 14 Uhr, und ich wunderte mich, dass während der ganzen Zeit ein junger Mann erst bei der Reisausgabe, dann im Büro anwesend war, den wir nicht kannten. Aber wir waren alle so beschäftigt, dass keiner richtig Zeit für ihn hatte. Als dann endlich alle Frauen weg waren, konnte wir uns ihm widmen. Er ist ein Witwer, hat mit seiner ersten Frau 5 Kinder, dann ist die Frau gestorben, mit seiner zweiten Frau hat er 4 Kinder, doch sie ist auch gestorben. Er ist Maurer und ist bei seiner Arbeit vom Dach gefallen und nun arbeitsunfähig. Er harrte aus bis wir Zeit für ihn hatten. Als Team beschlossen wir, dass sein Fall sehr eilig ist. So setzte ich ihn gleich mit einem Hilfegesuch in Facebook und Whatsapp.  Abends dann noch WhatsApp und Facebook-Korrespondenz und die leidige Buchhaltung des Tages.

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Tag 3

Heute widmen wir uns dem abgebrannten Haus von Assan Fatty. Die gespendeten Euros wurden gewechselt, und unser Mitarbeiter fuhr in die Hauptstadt, um sich mit Assan zu treffen und die Baumaterialien zu kaufen. Das Geld reichte exakt für die Hälfte der benötigten Materialien. Er brauchte 4 Pakete Wellblech, wir haben ihm 2 gekauft, er brauchte 20 Säcke Zement, er bekam 10. Aber er kann jetzt anfangen, und so Gott will, können wir ihm noch weiter helfen. Und immer wieder Fotos machen, und alles für die Spender dokumentieren.

Zwischendurch immer wieder an die Möglichkeit erinnern, dass man bei uns für das kommende Opferfest sein Kurban spenden kann.

Und wenn es gerade keine aktuellen Projekte zu bearbeiten gibt, müssen immer wieder die Datensätze aktualisiert, Digitalfotos von den Mitgliedern gemacht und neue Antragsteller interviewt werden.

Tag 4

Unser Computer, mein ehemaliges Apple-Notebook, hat den Geist aufgegeben. Aus Sicherheitsgründen haben wir es nach getaner Arbeit immer einem befreundeten Ladenbesitzer zur Aufbewahrung gegeben. Bei der letzten Abholung war die Tüte voller Kakerlaken  und der Rechner ging zwar noch an, aber der Bildschirm blieb schwarz. Da an dem Rechner sowieso schon so viel repariert wurde, musste nun ein neuer her. So galt es ein paar Telefonate zu tätigen, und unseren Nachbarn zu besuchen, der ein Computergeschäft hat, und zwei Tage später wurde das gute Stück dann geliefert. Diesmal ein Dell-Tischrechner. Glücklicherweise hatten wir ein Update auf einem USB-Stick.

Am Wochenende ist ein Besuch in dem Dorf Dar-us-Salam Kuloro geplant, wo wir in Kooperation mit Nächstenliebe ohne Grenzen e.V. eine Moschee bauen, das Dach einer Bäckerei erneuerten und dem Arabischlehrer, er mit seiner ganzen Familie auf dem nackten Boden schläft, Matratzen zukommen lassen wollen.

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Also müssen die Matratzen gekauft und der Transport ins Dorf organisiert werden. Gesagt getan, zwei Stunden später waren die Matratzen bei uns zu Hause, bereit für ihren nächsten Bestimmungsort. Die Organisation des Transports in das eine Stunde entfernte Dorf gestaltete sich jedoch nicht so einfach, weil wir ein Taxi mit Dachgepäckträger brauchten. Also alle bekannten Taxifahrer angerufen, und gefragt ob sie jemand mit einem Gepäckträger kennen.

Tag 5

Freitags ist unser Büro geschlossen. Das gab mir die Gelegenheit, wieder etwas zu posten, an diesem Artikel zu arbeiten und ein wenig konzeptionelle Arbeit zu leisten. Auch die vielen Fotos, mit denen unsere Arbeit dokumentiert wird, müssen dringend sortiert und in die entsprechenden Ordner abgelegt werden. Derzeit arbeiten wir intensiv an unserer Empfängergruppe, um wirklich den Ärmsten die bestmögliche Unterstützung zu geben. Zu diesem Zweck werden wir für jedes Mitglied eine ID-Karte ausgeben, die dann dazu berechtigt, an unseren Projekten teilzunehmen. Dazu müssen immer wieder die Personen eingeladen werden, um Digitalfotos von ihnen zu nehmen.

Außerdem nutzte ich dann noch die Zeit, um mal wieder Büromaterial einzukaufen. Während meiner Zeit in Deutschland ist hier einiges zu Ende gegangen.

Tag 6

Heute wollen wir nach Kuloro-Dar-us-Salam fahren, aber es ist mal wieder der Clean-the-nation-day. Dieser Tag findet hier 1-2 mal im Monat an einem Samstag statt. Die Mitteilung dazu bekommst du einen Tag vorher per SMS auf dein Handy. An diesem Tag dürfen von 9-13 Uhr keine Autos fahren, keine Geschäfte öffnen, und jeder soll vor seiner eigenen Haustür saubermachen. Soweit so gut, aber unser Trip nach Kuloro, musste damit spontan auf nachmittags verschoben werden. Wir haben ja sonst nichts zu tun. 😉 Und immer wieder der Blick in den Himmel, schließlich haben wir Regenzeit, und ein Platzregen wäre für die Matratzen nicht so vorteilhaft. 

Schließlich war es dann aber doch sehr schön in Kuloro. Wir konnten die Matratzen ausliefern, haben den Bürgermeister kennen gelernt, konnten das neu gedeckte Dach der Bäckerei bewundern, und den Fortschritt der Moschee. Außerdem genieße ich immer diese totale Ruhe dort. Als Großstadtkind ist es für mich immer schwer vorstellbar, dass es Orte gibt, die so eine Ruhe ausstrahlen. Beschenkt mit einer Flasche reinen Honig und einigen Mangos, verließen wir dann das Dorf wieder, um uns auf unsere 1 stündige Rückfahrt zu begeben.

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Tag 7

Sonntag war Pause. Obwohl so ganz Pause ist ja eh nie bei mir. Die Korrespondenz über Twitter, fb, Telegramm, WhatsApp, Instagram geht sowieso weiter, und die tollen Erlebnisse des Vortages wollen ja auch unter die Leute gebracht werden. Schließlich müsst ihr ja wissen, wo eure Spenden bleiben. Damit meine ich auch die lieben Spender die ohne Angaben von Projekten spenden. Dieses Geld nutzen wir dann für Fahrten zu den Projekten oder für Helfer, die Internetkosten, unsere Mitarbeiter, Strom etc. Ohne die selbstlose Hilfe dieser Spender könnten wir unser Büro gar nicht aufrecht erhalten. Allerdings steigen die Kosten, so sind neue Spender auch immer gern gesehen. Für den morgigen Tag beispielsweise ist geplant eine neue Mitarbeiterin für die Buchhaltung und andere Schreibarbeiten einzustellen.

Sie wird natürlich viel am Computer arbeiten. Wie jeder weiß braucht ein Tischrechner Strom, sonst geht gar nichts. Doch auch diese für Westeuropäer größte Selbstverständlichkeit ist für Afrika wie Russisch Roulette. Morgens kommst du ins Büro und schaust erst einmal bange auf den Zähler. Ok, Strom ist da, dann schnell anfangen. Doch nicht selten ist er dann plötzlich ohne Vorankündigung für Stunden wieder weg. Nun, wir haben damit leben gelernt. Zum einen konnten wir diesem Phänomen sogar etwas gutes abgewinnen, oder wann habt ihr das letzte Mal mit euren Kindern zusammen gesessen und über Papas oder Mamas Kindheit bei Kerzenschein oder Batterielampen gesprochen, und zum anderen sind wir uns sehr bewußt, dass fließendes Wasser und Strom aus der Steckdose ein Geschenk sind, das wir zu würdigen wissen.

Tag 8

Unsere neue Mitarbeiterin ist da. Ein ganz liebes Mädchen, gute Kenntnisse in der Arbeit mit dem Computer und sehr bereit, mehr über die NGO-Arbeit und vor allem auch über den Islam zu lernen. Nun dann, schauen wir mal, wie wir uns gegenseitig helfen können.

In diesen Tagen liegt im Büro unser Schwerpunkt in der Bereinigung unserer Empfänger-Datenbank. Wie wir gehört haben, gibt es immer wieder Personen, die sich von uns helfen lassen, obwohl sich ihre eigene Situation durch Kinder im Ausland oder eine gute Heirat massiv verbessert haben. Es hat uns zwei Tage gekostet diese Informationen herauszufinden und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Tag 9

Vormittags weiter an unserer Ermittlungsarbeit, unsere neue Mitarbeiterin in unsere Buchhaltung eingewiesen und weiter an dem Witwen-Reis-Programm gearbeitet.

Nachmittags sind wir dann den Bitten von 3 unserer Unterstützer aus Deutschland nachgegangen. Zum einen haben wir einem Herrn Geld einer lieben Freundin ausgehändigt, der damit seine und andere Familien in einem etwas weiter entfernten Ort unterstützt, und wir haben 2 Hammel mit den gewünschten Bittgebeten für die Betroffenen geschlachtet und das Fleisch als Spende ausgegeben.

Tag 10

Eigentlich Pause, aber dann noch an dem Artikel weitergeschrieben und Korrespondenz erledigt. Morgens kam die Nachricht, dass die 52-jährige Mutter eines guten Freundes ganz plötzlich verstorben ist. Das lässt mich dann wieder so an die Endlichkeit unseres Daseins in dieser Welt denken. Warum wir eigentlich hier sind, und in welchem Zustand wir diese Welt wieder verlassen sollten. Für mich ein Ansporn noch mehr gute Taten zu sammeln, damit vielleicht ein Teil meiner schlechten dadurch getilgt wird.

Nun habe ich euch die letzten 10 Tage unseres NGO-Lebens und die damit verbundenen Hindernisse geschildert, in der Hoffnung dass ihr unsere Arbeit jetzt vielleicht besser versteht, und auch warum vielleicht nicht alles immer so schnell umgesetzt werden kann, wie aus Deutschland gewohnt. Doch seid versichert, dass wir uns nach Kräften bemühen, eure Wünsche bestmöglich umzusetzen. Ich stelle weiterhin fest, dass diese gewisse Entschleunigung mir persönlich besonders gesundheitlich letztlich sehr gut tut, und vielleicht jeder mal darüber nachdenken könnte, ob nicht auch in seinem Leben eine Entschleunigung möglich wäre.

Wer gerne mehr über unsere Arbeit wissen möchte, kann sich gerne bei uns melden. 

mail(at)helpthepoor.de

Alles Gute zum Ramadan-Fest

Help the poor and the needy e.V. bedankt sich für all die vielen Spenden und wünscht euch ein gesegnetes Opferfest. In Gambia wird am Mittwoch gebetet, aber wir konnten am Montag schon die drei gespendeten Bullen schlachten und das Fleisch an die Armen verteilen. Sie kamen in Scharen in unser Büro, glücklich zum Fest Fleisch zu haben, dass sie sich normalerweise nie leisten könnten. 

Es war ein sehr gesegneter Ramadan, und wir konnten mit eurer und Allahs Hilfe viel Gutes tun. Vielleicht könnt ihr es euch nicht vorstellen, aber für die Bedürftigen, die wir versorgen, ist es etwas ganz Besonderes, Fleisch zu essen. Ich suche gerade nach einem Vergleich, um euch dieses Gefühl zu beschreiben, aber da wir uns ja in der Regel alles kaufen können, worauf wir Appetit haben, kann ich euch dieses Gefühl nur schwer vermitteln. 

Es gibt eine Schwester, die schon eine Reihe von Selbsttests durchgeführt hat, um annähernd das Gefühl nachzuempfinden, dass die Armen empfinden, wenn sie ohne Strom oder ohne Wasser leben müssen, oder tagein tagaus zu allen Mahlzeiten Reis essen, da alles andere zu teuer ist. Ich denke, erst wenn man das alles selbst gesehen oder gefühlt hat, kann man verstehen, wie es in anderen Ecken der Welt wirklich zu geht. 

Daher ist es umso wichtiger, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können, dass sich die Ärmsten der Armen etwas besser fühlen. Wir wollen aber nicht nur die größte Not lindern, sondern auch nachhaltig Hilfe leisten.  Wenn ihr dabei sein wollt, könnt ihr diesen Blog abonnieren oder unsere fb-Seite liken. Auch wenn ihr selbst nicht helfen könnt, wäre es dennoch zu schön, wenn mehr Freunde auf unsere Seiten aufmerksam würden. 

Wer Fragen hat, kann mich gerne kontaktieren: mail@helpthepoor.de

Wer spenden möchte, kann dies hier tun:

Help the poor and the needy e.V.

IBAN DE47100205003291200

BIC BFSWDE33BER

Ich wünsche allen Muslimen noch schöne Feiertage und allen anderen noch einen schönen Sommer. 

Mussu

Mussu ist Witwe. Das ist soweit erstmal nichts Besonderes, da wir über 70 Witwen in unserem Programm haben. Doch möchte ich eure Aufmerksamkeit auf ihr Schicksal lenken, weil sie noch ein viel größeres Los zu ertragen hat als manch andere Witwe. Als vor 3Jahren ihr Mann gestorben ist, hat er sie mit 8 Kindern zurück gelassen, die sie jetzt allein versorgen muss. Keine leichte Aufgabe. Das wissen auch wir, die vielleicht zwei, drei oder vier Kinder haben. Viele von uns stöhnen ja schon als Hausfrau mit zwei Kindern voll versorgt durch den Ehemann oder den Staat. 

Als ob das nun nicht schon alles schlimm genug ist, hatte sie vor einiger Zeit auch noch einen Schlaganfall und ist komplett linksseitig gelähmt. Sie versucht zu laufen, doch es fällt ihr enorm schwer. Sie schiebt das rechte Bein vor und zieht das linke mühsam nach. Wenn sie außer Haus muss, kann sie die Strecke nur mit einem Taxi bewältigen, doch das ist teuer. 

Um Witwen wie Mussu zu helfen, bietet sich an, ihr monatlich einen Sack Reis zu schenken. Reis ist das Grundnahrungsmittel in Gambia und das Hauptproblem für die meisten armen Familien. Wenn sie den Reis, haben und sich „nur“ noch um die Beilagen kümmern müssen, ist ihnen schon viel geholfen. Das Einkommen eines einfachen Arbeiters liegt bei 30€. Ein Sack Reis kostet im günstigsten Fall 25€. Da bleibt nicht viel übrig. 

Wir haben schon länger vor ein Witwen-Reis-Programm ins Leben zu rufen. Mit Mussu wollen wir jetzt den Anfang machen. Wer könnte sich vorstellen, vielleicht auch als Gruppe, monatlich 25€ zu überweisen, um Witwen wie Mussu, einen 50 Kg Sack Bruchreis jeden Monat zu ermöglichen. 

Ich werde jetzt nach und nach immer wieder Witwen vorstellen, die dringend unsere Hilfe brauchen. 

Wer Interesse hat, melde ich bitte bei mir per Email (mail@helpthepoor.de), damit es nicht zu Mehrfachspenden für eine Witwe kommt. Sollte es mehrere Spender für eine Witwe geben, stelle ich den Betreffenden umgehend eine andere Witwe vor. 

Es würde mich freuen, wenn wir mit eurer Hilfe diese Witwen-Reis-Programm starten könnten, dass möglichst vielen Witwen ihren monatlichen Reis sichert. 

Noch mehr Essen für die Armen

Diesen Ramadan sind wir wirklich reichlich gesegnet. Der Verein Al-Rahma e.V. hat uns auch noch großzügig unterstützt. So konnten wir am Donnerstag noch 2 Kühe schlachten und Öl und Reis an die Bedürftigen ausgeben. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie glücklich sowohl die Spender als auch die Empfänger mit der Spende sind. Es ist eine Win-Win-Situation, das was sie Wirtschaft immer wieder propagiert wird hier praktiziert. Die Spender bekommen eine gute Tat gut geschrieben, und die Empfänger werden vor dem schlimmsten Hunger bewahrt.

Spenden ist eine sehr emotionale Angelegenheit. Etwas von seinem Besitz abzugeben, fällt nicht jedem leicht. Doch wenn es dann einmal getan ist, gibt es dem Spender in der Regel eine mit nichts zu vergleichende Zufriedenheit.

Wer Gutes tut, tut es für seine eigene Seele…      Quran 45:15

So konnten wir am Donnerstag wieder weit über einhundert Bedürftige mit Fleisch versorgen, das sie sich selbst nie kaufen könnten, da ein Kilogramm Fleisch etwa 15% eines monatlichen Arbeitslohnes kostet. Es war eine große Freude für die Empfänger gerade in den letzten 10 Tagen des Ramadans noch einmal ein so schönes Geschenk zu bekommen. Möge Allah die Spenden mit den höchsten Stufen im Paradies belohnen.

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Ein wunderschöner Ramadanbeginn

Die Müdigkeit saß uns noch in den Knochen von den Aktionen der letzten Wochen. Wir mussten unsere Mitgliederlisten aktualisieren, Telefonnummern raussuchen, alle 230 Empfänger anrufen, die Ware ordern, es gab im Vorfeld viel zu tun. Aber das haben wir alle gerne gemacht, waren wir doch noch so berauscht von der großen Hilfsbereitschaft aus Deutschland. Samstagmorgen ging es dann ganz früh ins Büro. Früh deshalb, weil es in Gambia alle zwei Wochen einen nationalen Cleaning Day gibt, an dem jeder vor seiner Haustür sauber machen soll. Ausgerechnet an dem Samstag vor Ramadan. Dann steht das ganze Land von neun bis 13 Uhr still, und es geht nichts mehr. Alle Geschäfte sind geschlossen und kein Auto darf fahren. Aber wir haben es geschafft noch vorher im Büro zu sein. 

Endlich angekommen ging es sofort los. Reis und Zucker in Stofftüten abpacken, Plastiktüten sind ja seit 1.7.2015 verboten, Datteln, Tomatenmark, Mayonaise, Dosenmilch, Nudeln etc. in noch ein andere Tüte. Die Kartons mit den Hühnerbeinen kamen in ein Lager, die mussten noch etwas auftauen. Bis fünf Uhr wurde gepackt. Zwischendurch haben uns andere helfende Hände ein schönes Mittagessen vorbeigebracht. Für 10 Personen, stellt euch vor. Völlig erschöpft, aber glücklich ging es dann nach Hause. Dort noch schnell etwas für das Abendessen vorbereitet, und weil eh der Strom aus war, ging es dann bald ins Bett. 

Nächsten morgen wieder ganz früh raus. Die ersten Empfänger kommen erfahrungsgemäß schon gegen neun. Dann ging es auch schon los. Erst versuchten wir die Empfänger alphabetisch aufzurufen, aber das ging nicht. Die Lautstärke und die Abwesenheit der meisten „A“ ließen die Wartenden dazu übergehen vor Kalilu, der am Sonntag die Ankommenden mit unserer Empfängerliste abglich, eine lange Schlange zu bilden. So wurde sie dann abgearbeitet. Erst der Fingerabdruck bzw die Unterschrift und dann die Sachen abholen. 

Am Rande wurden auch viel schöne Gespräche geführt, mehrere junge Menschen haben sich dafür interessiert für uns zu arbeiten. Auch haben wir uns gefreut, einige der  Bedürftigen, die wir lange nicht gesehen haben, wieder zu treffen. Aber auch einige neue Mitglieder, die gerade einige Tage vorher einen Antrag auf Hilfe gestellt hatten, haben sich über die Gaben gefreut.   

Einige der ehrenamtlichen Helfer haben auch noch einmal betont wie erfreulich die Arbeit für einen guten Zweck ist und die damit verbundenen Pluspunkte bei Allah. Und überall wurde gebetet und gedankt. Noch bis heute rufen uns einige Empfänger an und beten am Telefon für die edlen Spender. Möge Allah sie alle reichlich belohnen. Es würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, wenn ich alle Bittgebete hier wiedergebe, die in diesen Tagen gesprochen wurden.

Ein großer Dank auch an die Sadaqa Gruppe von Telegram, die sich mit 69 Paketen beteilgt haben, Al Rahma e.V mit 55 und Nächstenliebe ohne Grenzen e. V. mit 24. Wunderschön, wie unsere Ummah zusammenhält.

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Nähen statt Lampedusa

Wisst ihr wieviele Einwohner Nigeria hat? Etwa 160 Millionen. Und wieviele Einwohner hat Gambia? Etwa 1,8 Millionen. Nigeria hat also etwa 100x mehr Einwohner als Gambia. Richtig? Doch leider verlassen jedes Jahr ebenso viele (ca. 9000) meist junge Männer  Gambia wie Nigeria, um in das ach so viel versprechende Europa auszuwandern. 

Doch was erwartet sie dort? Eine Arbeitserlaubnis? Wohlstand? Eine geregelte Arbeit? Wohl kaum. Gambia befindet sich nicht im Krieg, und auch gab es nie einen Fall von Ebola dort. Warum sollte Deutschland also Gambianer aufnehmen, wenn sie doch mit den Kriegsflüchtlingen schon alle Hände voll zu tun haben?

Leider ist die Information bei den Betreffen noch nicht angekommen. Sie schauen sich Spielfilme aus Europa und Amerika und denken, dass sie genau so ein Leben erwartet, wenn sie in ihr Land der Wahl gehen. Es ist ein Phänomen. Ist ein junger Mann vom Europa-Virus befallen, nützt alles reden und anbieten nichts. Wie oft haben wir versucht mit den berühmten „Engelszungen“ auf sie einzureden. Es ist als ob man gegen eine Wand spricht. 

Die Situation scheint so vertrackt, dass es unser dringendes Bedürfnis ist, etwas dagegen zu tun. Da das Wort Auswegslosigkeit immer wieder fällt, keine Arbeit, kein Geld, damit keine eigene Familie, keine Unterstützung für die Eltern … und dann die Filme aus den reichen Ländern, in denen alles so leicht aussieht und so erfolgreich scheint. Was liegt da näher als auch aufzubrechen. Leider liegt Europa aber nicht so nahe, da ist noch eine Wüste dazwischen, und ein Meer, die mittlerweile Tausende von Toten beherbergen. Auch unserer Familie ist dieses Schicksal nicht erspart geblieben. An dieser Stelle möchte ich noch einmal das Buch „Bilal, als Illegaler auf dem Weg nach Europa“ von Fabrizio Gatti empfehlen. Er hat sich als „weißer“ Italiener auf den gleichen Weg begeben, wie fast alle der vielen West-Afrikaner. Aus seiner Feder entstand die hervorragende Beschreibung, was auf diesem beschwerlichen Weg wirklich passiert. Es vermittelt tiefe Einblicke in die komplexe Problematik und dennoch spannend geschrieben. Sehr lesenswert. 

Umso wichtiger erschien es uns jetzt aktiv Hilfe zu leisten. Da Schneider hier ein reiner Männerberuf ist, haben wir uns überlegt, eine Nähwerkstatt zu eröffnen. Vielleicht können wir dem einen oder anderen eine Zukunft in Gambia geben, dass er sich nicht auf diesen gefährlichen Weg begeben muss.  

Zu diesem Zweck sind uns bereits 8 Nähmaschinen gespendet worden, von denen 6 schon im Lande sind. Die Maschinen sind elektrische Nähmaschinen nach europäischem Standard. Die Maschine, die ihr unten auf dem Bild seht, ist der übliche „gambian Style“ mit Fußantrieb und ohne Strom. Auch Kartons mit einer Erstausstattung von Stoffen und Garnen steht bereit.  Ein Laden ist auch schon angemietet. Jetzt brauchen wir nur noch Möbel und einen Lehrer, dann kann das Projekt starten. Mit monatlich 200€ für die Miete, den Lehrer, Strom und Verbrauchsmaterial und einmalig 300€ für die Einrichtung könnten das Projekt starten. Für Fragen und Anregungen, meldet euch bitte unter mail(at)helpthepoor.de

Wer uns helfen möchte, kann es hier tun: 

HELP THE POOR AND THE NEEDY e.V.

IBAN: DE47100205000003291200

… und was wir machen

Unser Programm beinhaltet verschiedene Projekte quer durch die Gesellschaft Gambias. Wir bemühen uns stets nachhaltige Hilfe zu leisten, dürfen aber auch die Soforthilfe für Notfälle etc. nicht vernachlässigen. Unsere derzeitigen Projekte sind:

  1. Witwen und Waisen
  2. Notfallhilfe/Desastermanagement
  3. Stop Going Backway
  4. Charity/Armenspeisung
  5. Medizinische Hilfe
  6. Bau einer gebührenfreien Schule

Witwen und Waisen-Hilfe

Am Herzen liegen uns besonders die Witwen und Waisen. Von den 141 Familien, die wir zur Zeit betreuen, sind 69 Witwen mit Kindern. Sie benötigen unsere besondere Hilfe, da sie von keinem Sozialsystem aufgefangen werden. Neben der Armenspeisung, von der sie natürlich auch profitieren, ist ihr größtes Problem der monatliche Sack Reis für ca. 30€. Zu diesem Anliegen entwickeln wir gerade ein Projekt. Reis gehört zu den Grundnahrungsmitteln. Der Reis ist immer da, je nach Möglichkeit gibt es dann noch ein paar Zwiebeln oder kleine gebratene Fische oder auch mal eine Soße mit Gemüse dazu.

Notfallhilfe/Desastermanagement

Hinter diesem Titel verbirgt sich Hilfe für abgebrannte oder durch den Regen zerstörte Häuser, oder spontane Hilfe bei dem Verlust der Arbeit oder der Gesundheit im weitesten Sinne. Es geht hier in der Regel um Einzelfallhilfe. Unser aktuellstes Projekt ist eine völlig ausgebrannte Koranschule, die 75 Kindern, davon 5 Waisenkindern, ein Zuhause gegeben hat.

Stop Going Backway

Bei diesem Projekt geht es darum junge Menschen davor zu überzeugen und dabei zu helfen, sich in ihrer Heimat etwas aufzubauen, statt den gefährlichen Weg durch die Wüste nach Lampedusa zu nehmen. Die Politiker reden viel von Lösungen, wir wollen tatkräftig gute Ideen umsetzen, um wenigstens ein paar junge Leute vor dem Tod, der Illegalität oder der Abschiebung zu bewahren und ihnen stattdessen zu einer sinnvollen Zukunft im eigenen Land zu verhelfen. Wir selbst haben ein Familienmitglied vor Lampedusa verloren engagieren uns nun umso mehr.

Für dieses Projekt sind gerade zwei Aktionen am Start. Zum einen drehen wir gerade mit Schülern eines Gymnasiums einen 90-minütigen Film „Journey to Happiness“ zum Thema. (Das Drehbuch kann gerne bei uns angefragt werden) und zum anderen werden wir in Kürze eine Nähwerkstatt einrichten, die 10 Jugendlichen ermöglicht den Beruf des Schneiders zu erlernen. Nebenbei kommen auch immer noch Jugendliche zu uns, die eine Ausbildung machen möchten, um nicht auch irgendwann in Lampedusa zu enden. Ausbildungen kosten hier zwischen 200 und 800€ je nach Fach. Wenn wir die Möglichkeit haben, helfen wir auch hier gerne, um unter Umständen Leben zu retten.

Charity/Armenspeisung

Seit Gründung des Vereins vor 17 Jahren geben wir jedes Jahr zum Ramadanbeginn den bei uns registrierten Familien 5 Kg Zucker und eine Box mit 100 Teebeuteln. Gelegentlich werden wir dafür kritisiert, dass wir Zucker ausgeben, weil es doch so ungesund ist. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass für viele der Zucker nicht erschwinglich und damit ein Luxusgut ist. Was gibt es also schöneres als einer Familie den Ramadan im wahrsten Sinne des Wortes zu versüßen? Besonders für die Kinder. Für die letzten 10 Nächte des Ramadans versuchen wir dann noch Hühnerbeine, Zwiebeln und Öl auszugeben. Zum Ramadanfest schlachten wir zwei Kühe. Viele Familien können derzeit nur zu den Festen Fleisch essen, da ein Monatslohn eines Arbeiters zwischen 30€ und 50€ liegt, ein Kilo Fleisch aber 5€ kostet.

Für das Opferfest wünschen wir uns für unsere armen Familien nichts sehnlicher als ein Kurban. Die meisten von ihnen haben noch nie in ihrem Leben einen Hammel geschlachtet. Dabei sollte es eigentlich Pflicht für jeden Familienvater sein. Im letzten Jahr konnten wir 27 Kurban an besonders bedürftige Familien geben. Alhamdulillah.

Medizinische Hilfe

Als Verein sind wir nicht auf medizinische Hilfe spezialisiert. Dennoch konnten einige Erleichterungen für besonders für chronisch Kranke bewirken. Wir betreuen Menschen mit Asthma, Epilepsie, Hydrocephalus, Schlaganfall und Diabetes, indem wir sie beim Kauf der Medikamente unterstützen oder sie in der German Clinic auf unsere Kosten untersuchen lassen.

Aktuell beschäftigt uns eine besondere Krankheit, die leider in Gambia relativ häufig vorkommt. Es ist die Krankheit Elephantiasis, eine Erkrankung des Lymphsystems, bei dem die Arme und Beine in unvorstellbare Größen anschwellen. In Europa ist die Krankheit heilbar, in Afrika leider nicht. Daher sind wir intensiv auf der Suche nach Ärzten, die vielleicht nach Gambia reisen würden und helfen wollen. Vier Frauen sind in unserem Büro registriert und warten auf Hilfe, aber es gibt noch viel mehr. Wer Ärzte kennt und sie fragen kann, ob sie vielleicht helfen könnten, würde diesen Frauen einen großen Dienst erweisen. Auch, wenn sie selbst nicht darauf spezialisiert sind, vielleicht kennen sie aber Ärzte, die helfen können.

Bau einer gebührenfreien Grundschule

Das ist unser Hauptprojekt. Leider reicht das Geld dafür noch nicht, aber wir versuchen demnächst erstmal ein kleines Verwaltungsgebäude zu bauen, um unser Büro dort anzusiedeln und den Bau der Schule besser beaufsichtigen zu können.

Die Schule wird eine der wenigen gebührenfreien Schulen. Viele Kinder können in Gambia nicht zur Schule gehen, weil ihre Eltern die Schulgebühren nicht zahlen können. Die Regierung ist bemüht, Schulen gebührenfrei zu machen, aber bisher sind erst 5 Schulen von den Gebühren befreit.

Für alle diese Projekte benötigen wir jede erdenkliche Hilfe, die wir bekommen können.

 

Wer wir sind …

Empathy und Mitgefühl brauchen wir wirklich, wenn wir in Gambia helfen wollen. Seit 18 Jahren mühen wir uns jetzt redlich zu helfen, wo es am nötigsten ist. Oft ist es nur mit einem großen Herzen und viel Geduld zu schaffen. Um euch etwas mehr Einblick in unsere Arbeit zu geben, stellen wir uns kurz vor.

Wer sind wir

Unser Verein wurde im November 1998 von sieben Freunden aus Jordanien, Syrien, der Türkei, Holland, Deutschland und Gambia gegründet. Seit dem gibt es unsere Vereinsmitglieder in Deutschland und eine Mitarbeiterin in Gambia. Mein Mann und ich sind oft vor Ort und so verwirklichen wir zu dritt alle unsere Projekte. Für die Ausgabe des Charity und das Schlachten der Opfertiere haben wir ehrenamtlich Helfer, die uns seit 18 Jahren eifrig unterstützen. So werden von meinem Mann und mir die folgenden Aufgaben größtenteils alleine bewältigt: Projektentwicklung –leitung und Durchführung, Dokumentation, Buchhaltung, Fundraising, Public Relation, Korrespondenz und Mediadesign. 1999 gründeten wir dann eine NGO in Gambia, um auch dort als Charity-Organisation anerkannt zu sein.

Wie finanzieren wir uns

Unsere Fixkosten liegen etwa bei 300€ pro Monat für das Gehalt unserer Büroleiterin, Strom, Internet, Transport, Miete etc. Diese Kosten sind durch Daueraufträge von Sponsoren gedeckt, die ohne konkreten Verwendungszweck spenden. Alle Spendengelder, die projektgebunden auf unser Konto eingezahlt werden, gehen 1 zu 1 an die Projekte, ohne Abzug. Einige unserer Projekte laufen auch über ein Crowdfunding bei Betterplace. Die Projektnummer steht dann bei den Spendenaufrufen dabei. Übrigens stellen wir auch Spendenbescheinigungen aus. Wer bei uns spendet, kann eine Spendenquittung bekommen. Bitte gleich nach der Überweisung Bescheid sagen, sonst wird es verwaltungstechnisch schwierig. Oder ihr spendet über Betterplace, dort bekommt ihr automatisch eine Spendenbescheinigung am Anfang des nächsten Jahres.

Kooperationen

Wir schätzen uns sehr glücklich, dass wir mit drei anderen Vereinen zusammenarbeiten dürfen. Al-Rahma e.V. hat uns bei dem Wiederaufbau der Koranschule unterstützt und mit Nächstenliebe ohne Grenzen e.V. wollen wir ein gemeinsames Iftar (Ramadan) und Kurban-Projekt (Opferfest) aufbauen. Von muslimehelfen e.V. haben wir letztes Jahr 4 Kühe gespendet bekommen. Ein großer Segen für die Armen in Gambia.

Du möchtest helfen, weißt aber nicht wie?

Vielleicht wirst du das jetzt alles lesen und dir im Stillen sagen, dass du leider kein Geld hast und daher auch nicht helfen kannst. Doch, das kannst du. Wir sind ein eingetragener Verein bei benefind.de. Benefind ist eine Suchmaschine, die genauso wie Google funktioniert. Wenn du unseren Verein „Help the poor and the needy e.V.“ als Begünstigten angibst (unten links Auswahl ändern), dann überweist uns Benefind für jede zweite Suche 1 ct. Oder du likest unsere Seite auf Facebook und teilst die Inhalte. Im Facebook gibt es ja auch einige Spendengruppen, die für gemeinnützige Organisationen Versteigerungen durchführen. Auch hier sind wir mal sehr belohnt worden von einer lieben Freundin. Auf diesem Wege kamen 10 Nähmaschinen für unser Projekt „STOP GOING BACKWAY“ zusammen.  Oder du leitest unsere emails weiter. Auch das kann sehr helfen.Ich habe schon viele liebe Helfer auf diese Art kennen gelernt, die uns bis jetzt die Treue halten.

Wie erreicht man uns

Wir bemühen uns ja immer up to date zu sein. Es ist nicht so einfach, wenn die gesamte Arbeit an so weinigen Personen hängt. Dennoch möchten wir unseren Followern ein möglichst breites Spektrum an Informationskanälen bieten. Im Folgendem eine Übersicht, wie ihr uns erreichen könnt.

  • Homepage: http://www.helpthepoor.de
  • Blog: http://www.empathymitgefuehl.wordpress.com Hier schreibe ich nicht nur über unseren Verein, sondern auch welch neue Erkenntnisse sich auftun, wenn man zwischen den Kontinenten pendelt.
  • Twitter: helpthepoor.de (@SurayaJa)
  • Linked In: Suraya Jammeh
  • Xing: Suraya Jammeh
  • Instagram: helpthepoor.de
  • WhatsApp und Telegram: 002207585657
  • Unser wichtigstes Medium ist unser EMAIL-ADRESSE: mail@helpthepoor.de

Wir freuen uns über jede mail und ich versuche innerhalb von einem Tag zu antworten. Bitte stellt Fragen, gebt Kritik oder Anregungen, alles ist willkommen. Im nächsten Post werde ich etwas über unser Progamm schreiben. Unsere Jahresberichte der letzten drei Jahre sind auf unserer HP abrufbar unter dem Impressum. http://www.helpthepoor.de

Ein Land an der Nabelschnur Europas

Es war zum Opferfest letztes Jahr, als ich bei Western Union saß und auf eine Überweisung für den Verein aus Deutschland wartete. Obwohl es angekündigt war, hatte der Geldwechsler nicht genug Dalasi vorrätig. So mussten wir eine Weile Platz nehmen und warten. Was dann passierte, hat mir ein Stück weit die Augen geöffnet.

Eine Schwangere nach der anderen kam herein und holte das geschickte Geld von ihrem Mann aus dem Ausland ab. In den 20 Minuten, die wir dort saßen, waren es fünf. Auch einige ältere Frauen kamen, die holten dann wohl das Geld ihrer Söhne dort ab. In mir kam sofort das Bild hoch, wie abhängig doch die Afrikaner von Europa sind. Wie ein Baby, das an der Nabelschnur der Mutter hängt. Kein Wunder, dass es hier bislang keine tiefgreifenden Programme gibt, die elendige Massenflucht zu beenden, denn mittlerweile leben viele Familien von den Dollars oder Euros aus Übersee.

Das ist eine Tatsache, die auch den Hauptgrund ausmacht, warum es so viele nach Europa zieht. Es ist nach wie vor die Pflicht eine Sohnes seine Eltern und seine eigene kleine Familie zu ernähren. Doch da kommen wir schon zum nächsten Problem. Wie eine Familie gründen, wenn der Brautpreis laut Tradition so hoch angesetzt wird, dass es für einen jungen Mann kaum noch möglich ist, ihn aufzubringen? Mit der Festsetzung eines Brautpreises legen die Eltern quasi schon fest, ob der Zukünftige ein Gambianer aus der Heimat oder ein „Semester“ von Übersee ist.

Eine andere Behauptung ist, es gäbe keine Arbeit. Fakt ist aber, wer fleißig und zuverlässig ist, bekommt auch Arbeit. Leider wollen nicht viele Gambianer Lehrer werden. Einheimische Lehrer können an den Fingern abgezählt werden. Die meisten Lehrer kommen aus Sierra Leone, Ghana und Nigeria. Doch auch für die, die kein Abitur haben, gibt es Möglichkeiten. Da in Gambia vieles noch in Handarbeit gefertigt wird, boomt das Handwerk. Gute Tischler, Fensterbauer, Fliesenleger, Elektriker, Installateure sind rar. Die sich für den Weg eines Handwerkers entschieden haben, sind ausgebucht und nur schwer zu bekommen. Leider ist jedoch zu beobachten, dass viele der jungen Männer bis 30 weder Verantwortung übernehmen noch hart arbeiten wollen. Stattdessen lieben sie es, dir tausend Gründe zu erzählen, warum diese oder jene Arbeit nichts für sie sei. Wir suchen beispielsweise gerade eine Sekretärin mit Computerkenntnissen, finden aber leider keine. Auch wenn wir jemanden für die Gartenarbeit suchen, möchte sich niemand wirklich die Hände schmutzig machen. Da ist es doch viel einfacher von Haus zu Haus zu gehen und die Verwandten um Unterstützung zu bitten.

Doch es gibt eine bzw die ausschlaggebende Begründung, dass der Grund des Weggehens nicht Armut ist. Es ist die Tatsache, dass für die Reise und die Schlepper etwa 4000€ ausgegeben werden müssen. Das sind etwa 5 Jahresgehälter eines Lehrers. Wer dieses Geld zur Verfügung hat, könnte sich einen kleinen Supermarkt einrichten und hätte bis an sein Lebensende ausgesorgt, könnte leicht eine ganze Großfamilie ernähren, heiraten und hätte ein schönes Leben. Auch ist Gambia weder von einem Krieg noch von Naturkatastrophen bedroht. Der Grund muss also ein anderer sein. Nach mehrstündigen Gesprächen mit einem Familienmitglied, der das Abenteuer Europa leider nicht überlebt hat, komme ich zu dem Schluss nach Europa auszuwandern ist ein Virus. Einmal in ihren Kopf gepflanzt, gibt es kein zurück mehr.

Oft hören wir von Freunden und Bekannten, dass ihre Söhne es geschafft haben oder auch nicht. Statistisch gesehen verlassen jedes Jahr von Gambia ebensoviele junge Menschen (9000) das Land wie aus Nigeria. Obwohl Gambia als kleinstes Land nur 1,6 Mio Einwohner hat und Nigeria 160 Mio.

Dieses Phänomen verdient ernsthafte Aufmerksamkeit, denn nur mit dem Armutsslogan zu argumentieren ist zu billig. Die jungen Männer bräuchten dringend bezahlbare Ausbildungsplätze oder Universitätsplätze und Schwiegereltern die gemäß ihrer Religion das Brautgeld der Tochter zubilligen und nicht einen großen Verdienst dabei herausschlagen wollen. Bei einigen Ethnien in Gambia ist es traditionell üblich, dass die Eltern noch einmal das gleiche Brautgeld bekommen wie die Tochter. Die Mädchen werden quasi „verkauft“. Um dem allen zu entfliehen, suchen sich die Jungen ihren Weg nach Europa, nicht wissend, was sie dort erwartet. Gerade letzte Woche ist ein Flugzeug mit abgeschobenen Gambianern angekommen.

Eine andere Tatsache, die Familien das Überleben erschwert, ist das Verhältnis zwischen den Gehältern und den Lebensmittelpreisen. Ein Lehrer verdient beispielsweise etwa 60€ im Monat, die Lebensmittelpreise sind mit denen in Deutschland vergleichbar. Ein Kilo Fleisch über 5€, ein Kilo Tomaten oder Zwiebeln 1€, ein Sack Reis (ein Muss für jede Familie pro Monat) ca 30€. Eine adäquate Wertschätzung eines akademischen Berufes und eine entsprechende Preiskontrolle könnten auch hier helfen die Famiienhaushalte zu stabilisieren. Die Besitzer der Privatschulen, und von denen gibt es mehr als von den staatlichen,  rufen enorm hohe Schulgebühren auf. Im Schnitt können nur etwa 6 Schüler einer Klasse, und die sind oft bis 60 Schüler groß, das Schulgeld aus eigener Kraft bezahlen. Viele andere benötigen Sponsoren.

Ein erster richtiger Schritt ist bereits getan. Einige staatliche Schulen (noch sind es unter 10) sind nun frei von Schulgebühren. Eine Erleichterung für die Eltern und eine Chance, dass es doch mehr Schüler zum Abitur schaffen. Eine weitere Neuerung ist ein Unistipendium, das Schüler bekommen können, die alle 9 Schulfächer mit einer Note zwischen 1-3 abgeschlossen haben. Bisher ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ausbaufähig.

Wir als Verein helfen dort, wo unserer Meinung am meisten Hilfe gebraucht wird. Wir verteilen Essen an die Bedürftigsten, helfen gelegentlich mit Schulgebühren aus, oder bezahlen einzelnen Schülern den Transport zur Schule oder das Frühstück. Für eine eigenen gebührenfreie Schule sammeln wir noch Gelder, und demnächst wird, so Gott will, eine Nähwerkstatt mit 10 Ausbildungs- bzw. Arbeitsplätzen eingerichtet. Ein anderer Schwerpunkt in unserem Projekt ist die Unterstützung von Witwen mit Startup-Programmen und Desastermanagement (HIlfe bei abgebrannten Häusern, medizinischen Problemen etc).

Alle diese Projekt könnte ihr auf der Crowdfunding-Plattform „betterplace“ finden, schaut doch mal rein.

2 Studenten, die ihre Ausbildung beenden wollen

Notfallhilfe für die Ärmsten

Unser Witwenprojekt

Bau einer gebührenfreien Grundschule in Gambia

Eine besondere Notfallhilfe, die wir unterstützen, ist eine abgebrannte Koranschule.

Wiederaufbau einer abgebrannten Koranschule

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Es gibt viel zu tun in Gambia, packen wir es an. Vielleicht könnten wir ja ein Stück dazu beitragen, dass künftig weniger junge Männer das Land verlassen.

Der Stock, ein Begleiter durch’s Leben

Letztens fiel mir auf, dass man in Gambia kaum Menschen sieht, die einen Gehstock benutzen. Wir alle wissen, dass Afrikaner sehr viel athlethischer sind – siehe Olympia – doch auch sie werden mal alt. Männer wie Frauen bekommen Artritis, Hexenschuss, Bandscheibenvorfälle, aber einen Stock verwenden sie nicht. Ich besprach dann mal meine Beobachtungen mit einer 66-jährigen Artritis-Patientin. Sie lachte bei dem Gedanken an einen Stock, bückte sich und berührte mit durchgedrückten Knien und der flachen Hand den Boden. Ich staunte nicht schlecht. Abgesehen davon, dass ich das noch nie konnte, fand ich es bewundernswert wie stark ihre Muskulatur war. Doch den Grund dafür fand ich erst langsam heraus.

Die kleinen Kinder sind oft auf den Rücken der Mutter geschnallt, das beruhigt die Kleinen und macht einen geraden Rücken bei Mutter und Kind. Wenn die laufen lernen, gibt es keine fahrbaren Gestelle oder Schaukeln, sondern nur die eigenen Füße oder Mamas Rücken. Sobald sie größer werden, fegen sie mit einem Besen, der nur aus einem Bündel von Reisigzweigen besteht, tief nach unten gebückt. Oder sie waschen im Stehen über die Eimer gebeugt. Wenn die Mädchen dann älter werden, tragen sie selbst ihre Kinder oft bis nach dem dritten Lebensjahr auf dem Rücken. Wasser oder Lebensmittel werden nach wie vor noch oft in einem Behälter auf dem Kopf getragen.

Doch nun zu uns. Ab dem 10. Lebensmonat steckt man uns in eine Gehhilfe, laut ärtzlicher Meinung völlig ungeeignet zum Laufen lernen, weil die Muskulatur nicht trainiert wird. Wenn Mutter und Kind unterwegs sind, benutzen sie einen Kinderwagen. Das Kind weit weg von der Mutter und die Mutter hat mal wieder etwas zum Abstützen. Einkäufe werden erst mit dem

Einkaufswagen (zum Abstützen) und dann mit Plastiktüten bewerkstelligt, die so richtig gegenerativ für den Rücken sind. Wollen wir fegen, halten wir uns wieder an einem Stock fest – bloß keine Rückenmuskeln beanspruchen. Schließlich wundern wir uns dann, dass wir im Alter auch einen Stock brauchen. Arme Zivilisationsgesellschaft!

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Bilal – Als Illegaler auf dem Weg nach Europa

von Fabrizio Gatti

Das Thema bewegt uns irgendwie alle. Jährlich kommen Hunderttausende über das Mittelmeer nach Europa und Zigtausende bleiben in ihm verschollen.
Ein italienischer Journalist hat sich nun auf denselben Weg gemacht, den auch die schwarzafrikanischen Flüchtlinge nehmen, um in ihr erträumtes Europa zu kommen. Erträumtes? Ja, denn die Wirklichkeit sieht oft anders aus, als sie es sich noch in ihrer Heimat vorstellen. Das geht aus den vielen Geprächen hervor, die der Journalist mit den Flüchtlingen auf ihrer Reise führt und dem regen email-Austausch, den er mit seinen Weggefährten hat, als er bereits wieder in Italien ist und sie noch in Lybien. Ein sehr spannendes Buch, das alle meine Befürchtungen wie schrecklich diese Reise durch die Wüste sein muss noch bei Weitem übertroffen hat.
Ich selbst habe zwei Printausgaben an meine Liebsten verschenkt und mir selbst die ebook – Version heruntergeladen. Kindl auf meinem Handy und meinem Tablet ist schon zu meinem festen Begleiter geworden.
Da bei mir auch wieder eine Buchveröffentlichung vor der Tür steht, würde ich mich sehr über eure Meinung in einem Kommentar freuen, wie ihr zu der Frage steht: Printbuch oder Ebook?

Doch nun wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen dieses hervorragenden Buches, das nicht nur mehr Verständnis für die Postitionen aller Seiten ermöglicht, sondern auch die Gefahr in die sich die Flüchtlingen begeben auf eindrucksvolle Weise darstellt.

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Plastik ade! – Wie Gambia dem Polution-Gau den Kampf ansagt

Wir haben ja alle nicht so recht daran geglaubt, aber jetzt ist es tatsächlich passiert. In Gambia herrscht ein Plastikttüten-Verbot. Erst waren alle geschockt, als es am 1.7. tatsächlich in Kraft trat. Die Bevölkerung glaubte nicht an den Ernst der Lage und ignorierte dieses Gesetz zunächst. Dann, etwa eine Woche später, verschärfte sich die Situation noch einmal. Es wurde angekündigt, dass jeder, der mit einer Plastiktüte „erwischt“ wird, 10€ Strafe zahlen muss. Bei 30€ Monatseinkommen eine erstzunehmende Strafe. Ohne Ersatzbehältnis wurde das Ganze naturgemäß etwas schwierig, aber dennoch  …… Von einem Tag auf den anderen waren alle Plastiktüten verschwunden, und clevere Geschäftleute haben quasi über Nacht Stofftüten parat gehabt. Gambia ist nun ein nahezu Plastik(Tüten)-freies Land.

Doch warum eigentlich der ganze Zirkus? Im kleinsten Land auf dem afrikanischen Kontinent, lebt ein Großteil der Menschen nahe der Hauptstadt. Viele kommen von den Dörfern in die Stadt, behalten aber leider ihre Gewohnheiten bei, alles was nicht mehr gebraucht wird, auf den Boden zu werfen. So flogen nun ständig die blauen, schwarzen und weißen Plastiktüten nach Gebrauch auf den Boden und dekorierten die Straßenränder. Zweimal im Monat gibt es seit einiger Zeit nun immer Samstag einen Tag „Clean the Nation“. An diesen Tagen dürfen von 9-13 Uhr keine Verkehrsmittel unterwegs sein und alle müssen vor ihrer Haustür sauber machen. Nun ja, das klappte auch nur bedingt, und wenn, dann wurden die Plastiktüten zu einem großen Haufen zusammengefegt und angezündet. Für die überdurchschnittlich vielen Asthmapatienten in Gambia auch keine gute Lösung.

Natürlich gibt es auf den Müllhalden noch Restbestände von Plastikmüll, auch sind ja nicht alle Plastikflaschen für Wasser, Shampoo, Ketchup etc verschwunden, aber man sieht doch eine deutliche Besserung, auf jeden Fall an den Straßenrändern.

Ein großes Problem ist jedoch nach wie vor die Müllhalde. Denn dort entzündet sich der Müll durch Glasscherben, die in der Sonne liegen, teilweise von alleine, und der beißende Geruch, der uns schon stört, wenn wir daran vorbei fahren, zieht direkt in das SOS Kinderdorf mit einer Schule von 1500 Schülern auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Also die Lösung aller Probleme ist das Abschaffen der Plastiktüten damit nicht, aber in einem so kleinen Land wie Gambia mit nur einem Bruchteil der Gesetztes- und Vorschriftenmenge von Deutschland können Plastiktüten innerhalb von einer Woche komplett verschwinden.  Das macht erst mal nach!!!!!

Wir sind jetzt nur noch mit Baumwolltaschen und Tupperdosen unterwegs.

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Mariama, ein Vorbild in Sachen Geduld

O mein Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine Stärke in allen Dingen. [31:17] 

Heute möchte ich euch von einer ganz besonderen Frau erzählen, die ich gestern treffen durfte. Ich nenne sie Mariama. In Wirklichkeit heißt sie anders, und ich werde auch diesmal keine Fotos zeigen, denn Mariamas Schicksal ist so traurig, dass sie nicht möchte, dass es öffentlich gemacht wird. Es ist eine wahre Geschichte, aber sie ist so herzergreifend, dass ich dieses Mal auch über diesen Blog um Hilfe für diese arme Frau bitte. Eigentlich sollte dieser Blog ausschließllich für Hintergrundinformationen zum Thema Armut, dem Leben zwischen den  Kontinenten und der Menschlichkeit im Allgemeinen sein. Doch besondere Ereignisse erfordern besondere  Mittel. 

Wie einige von euch vielleicht wissen, leite ich eine Hilfsorganisation in Gambia. Für diesen Zweck haben wir eine fb Seite (Help the poor and the needy e.V.) und einen Blog http://help-the-poor-needy.blogspot.com. Wer mehr über unsere Arbeit wissen möchte, den bitte ich sich dort weiterführend zu informieren. 

Doch nun zur Geschichte selbst. Mariama, inzwischen über 60, hatte eine gehobene Stellung in der Regierung. Sie war sehr beliebt, immer freundlich und großzügig, niemals sparsam mit Geschenken und kochte gerne für alle Kollegen. Sie hat 4 gesunde, wunderhübsche und kluge Töchter, alle mit Abitur, ein schönes Haus im eigenen Grundstück. Alles schien perfekt, bis zum Tag X, der ihr Leben komplett veränderte. 

Doch was ging diesem Schicksalsschlag voraus?

Ihr Mann hatte ca. 1,5 Jahre zuvor das Familiengrundstück verkauft. Der neue Besitzer forderte immer wieder sein Grundstück ein, doch der Familienvater vertröstete ihn permanent. Bis der neue Besitzer die Polizei einschaltete. Als eine der Töchter aus der Schule kam, zwang die Polizei sie die Tür zu öffnen. Sie holten den ganzen Hausrat aus dem Haus und warfen ihn auf die Strasse. Die Tochter rief verzweifelt ihre Mutter an. Als sie das Grundstück betrat und sich auswies, hatten die Polizisten ein Einsehen und stellten die Möbel an die Mauer. Abends um 22 Uhr kam dann der Familienvater nach Hause und brachte die Familie auf ein Grundstück irgendwo in der Pampa ohne fließend Wasser und Strom, dann verschwand er zu seiner zweiten Frau. 

Mariama litt mit ihren Kindern in ihrem neuen Zuhause. Die zwei ältesten Töchter hatten später die Chance nach Frankreich bzw. England zu gehen. Das Leben ging irgendwie weiter, aber unter erschwerten Bedingungen. Dann passierte etwas, dass die eh schon schwierige Situation noch verschlechterte. 

Die Mutter erlitt einen Schlaganfall und ist seitdem vom Bauch abwärts gelähmt, und alle vier Töchter sind geisteskrank geworden. Die älteste ist immer noch in London und dort in einer Klinik. Die zweite wurde von ihren Freunden von Frankreich nach Hause geschickt, und die beiden jüngsten waren noch bei der Mutter. Nun sind die zwei mittleren Töchter in einer Psychiatrischen Klinik in Gambia und die jüngste zu Hause. Sie läuft hinter dem Haus auf und ab und redet permanent mit sich selbst, ab und an schreit sie dann auch und beschimpft Leute, die gar nicht anwesend sind. Sie braucht für etwa 25€ monatlich Medikamente, damit sie überhaupt schlafen kann. Eine der Töchter hat auch noch einen 13-jährigen Sohn und eine 7-jährige Tochter. Die Kleine wohnt in dem SOS-Kinderdorf, und der Junge wohnt bei der Großmutter, und sie muss nun auch noch für seine Schulgebühren aufkommen. Er ist sehr gut in der Schule, ich habe das Zeugnis gesehen. Nach deutschen Maßstäben würde ich sagen im Durchschnitt eine 2-. 

Sie wohnen sehr einfach. Ein lieber Freund mietete eine 2-Zimmerwohnung für sie, in der sie jetzt mit ihrer jüngsten Tochter und dem Enkelsohn lebt. Klingt erstmal gut, doch bei näherem Hinsehen, ist auch das nicht optimal. Auf meine Frage, wie wir ihr helfen können zum Beispiel mit einem Sack Reis alle zwei Monate sagte sie, dass sie nicht so viel Reis essen, da ja niemand da ist, der kochen könnte. Manchmal würde die Nachbarin für sie mitkochen. Sie würden eigentlich nur Brot essen. In den Schulferien kommen manchmal Mädchen zu ihr, die dann für 16€ im Monat bei ihr putzen und kochen. Also kaum ein warmes Essen für die Familie. Und das für eine Frau, die in ihren gesunden Zeiten immer für ihre Kollegen gekocht hat. 

Wasser ist auch ein Problem. Sie hatten mal einen Wasserhahn im bzw. am Haus, aber der wurde vor ein paar Monaten abgestellt. Vielleicht hat der Hausbesitzer nicht bezahlt. Jetzt ist auf der Strasse ein öffentlicher Wasserhahn, aber der ist tagsüber nicht zu benutzen, da der Wasserdruck wohl nicht ausreicht. Ich kenne das von anderen Gegenden auch, dann muß jemand von der Familie nachts aufstehen und einige Eimer Wasser für den nächsten Tag holen. So ist es bei ihr auch, nur dass keiner aus der Familie es machen kann. So bezahlt sie 10ct pro Eimer. 

Gekocht wird in kleinen Kohleöfen vor oder hinter dem Haus. Das ist wohl da, wird aber selten benutzt. 

Ich fragte noch, ob sie denn Hilfe aus der eigenen Familie bekommen könne. Sie sagte, ihre Schwestern haben ihr immer geholfen, aber sie sind mittlerweile alle verstorben. Dann hatte sie noch einen Nachbarn, der als Arzt im größten Krankenhaus des Landes gearbeitet hat. Er hat sie immer zu Hause behandelt. Doch nun ist auch er vor 4 Monaten verstorben. 

Als wir kamen saß sie auf ihrem Bett. Ich fragte sie dann, ob sie auch mal vor die Tür kann, oder ins Wohnzimmer. Sie zeigte uns dann ihren Rollstuhl, der aber keine Fußstützen hat. So kann sie niemand irgendwohin fahren, weil ihre Füße auf dem Boden schleifen. So ist ihr Aufenthaltsort meistens das Bett. Am Ende wollte ich dann noch wissen, was denn ihr persönlich größter Wunsch ist. Da strahlten ihre Augen, als sie sagte „eine neue Matratze“. So wie sie jetzt schläft, wacht sie jeden Morgen mit Schmerzen im Rücken und in den Hüften auf. In den Ellenbogen hat sie Arthritis, so dass sie bei jeder Bewegung schmerzen. Da kommen wir noch zu einem anderen Problem – die Tabletten. Sie nutzt jeden Tag Paracetamol für ihre Gelenke. Aber jeder weiß, die Paracetamol in Gambia sind aus Indien, und dort ist mehr Kreide als irgendetwas anderes enthalten. Wirkung gleich Null. Sie wünscht sich ein paar Paracetamol-Packungen aus Deutschland.

Wir hoben dann die Decke auf dem Bett etwas hoch und sahen eine etwa 5cm dicke Matratze, die in mehreren Einzelteilen auf dem Bett lag. Eine neue Matratze „Kingsize“ ca 15cm dick, kostet 60€, zu viel für die kleine Familie. Ich fragte sie, wer denn alles in dem Bett schläft. Der Enkel und sie, die Tochter schläft auf den Fliesen im Wohnzimmer.

Um dieser armen Frau zu helfen, könnte ich mir folgendes Programm vorstellen. Vielleicht finden wir Unterstützer, die uns helfen, die kleine Familie zunächst für ein Jahr zu unterstützen. 

  • 30€ Lebensmittel im Monat
  • 30€ Dienstmädchen im Monat
  • 25€ für die Tabletten der Tochter

Einmalig 

  • 60€ für die Matratze der Mutter und 
  • 30€ für die Matratze der Tochter 
  • einmal im Jahr ca  150€ für die Oberschule des Enkels. (Auf Wunsch schicke ich gerne ein Foto des Jungen per PN oder mail. Ein wirklich hübscher Junge) 
  • Und vielleicht ein neuer Rollstuhl mit Fußstützen. 

Viielleicht gibt es unter den Lesern auch Interessierte, die uns vielleicht mit Medikamenten, Rollstühlen oder andere Sachmitteln aushelfen können. Ein Gebet für die Familie hilft aber auf jeden Fall.

Mariama ist wirklich ein großes Vorbild für mich, ein Schicksal mit Güte, Zuversicht und vor allem Geduld zu ertragen. Sie selbst sagt, wäre sie nicht eine gläubig Frau, hätte sie schon längst aufgegeben. Ich würde mir sehr wünschen, wenn wir ihr ihr Schicksal etwas erleichtern könnten.

O mein Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine Stärke in allen Dingen. [31:17] 

Wer Fragen zu unserem Verein oder diesem Hilfeaufruf hat, kann uns gerne kontaktieren: mail@helpthepoor.de
Unsere Kontonummer ist: 

Help the poor and the needy e.V
Bank für Sozialwirtschaft 

IBAN DE47100205000003291200 
BIC BFSWDE33BER

Danke für deine Aufmerksamkeit und dass du diesen Artikel zu Ende gelesen hast! 

Glück ist, wenn man trotzdem lacht!

Das ist natürlich etwas einfach ausgedrückt. Aber hast du es schon einmal erlebt, ein Glücks- und Dankbarkeitsgefühl für deine aktuelle Situation zu haben? Es ist ein fast berauschendes Gefühl der Zufriedenheit, wenn alles, so wie es ist, gut ist. Nichts, außer das tägliche Brot wird mehr benötigt, und das eigene Streben kann sich einzig auf die Taten beziehen, die dich Gott und dem Hereafter näher bringen. Dabei spreche ich nicht von einem Aufenthalt in Deutschland, einem Land, in dem es immer fließend Wasser, Strom und ausreichend Essen gibt. Nein, es handelt sich um den Aufenthalt in einem sogenannten Entwicklungsland, das sich, so der Wortlaut, ja erst noch entwickeln muss. Zufrieden zu sein, wenn es kein Strom gibt. Zufrieden zu sein, wenn es länger mal kein Wasser gibt. Dafür aber auch zu erkennen, dass täglich die Sonne scheint, und  dass du nur zum nächsten Baum gehen brauchst, um Bananen und Mangos satt zu haben. 

Im Mangel eine Lebensqualität zu sehen, scheint mir eine Aufgabe, die die einen unfreiwillig machen müssen, andere vielleicht freiwillig einmal tun sollten, um sich wirklich reich zu fühlen. Reich sein im herkömmlichen Sinne erfordert auch eine enorme Aufmerksamkeit auf die erworbenen Dinge. Sie müssen gehegt und gepflegt, gelagert  und geputzt werden. Wir brauchen mehr und mehr Schränke, um all die erworbenen „Schätze“ unterzubringen, vielleicht sogar größere Wohnungen und so weiter. 

Das alles benötigt Zeit. Zeit, die wir damit verbringen, uns um Dinge anstatt um Menschen zu kümmern. Gar nicht davon zu sprechen, dass wir keine Zeit mehr haben für weltliches aber vor allem spirituelles Wissen. Jeder von uns achtet sorgsam darauf, nicht ohne Handy aus dem Haus zu gehen. Aber wer von uns hat denn sein Koran oder seine Bibel immer dabei und liest auch regelmäßig darin? Wer von uns klopft mal bei den Nachbarn und fragt, wie es ihm geht anstatt lieber mit den Freunden aus der ganzen Welt zu chatten? 

Zurück zu den Schränken. Wer einmal zu Besuch bei Familien war, die von der sprichwörtlichen Hand in den Mund leben, der fühlt wie unsinnig es ist, 20 Paar Schuhe im Schrank zu haben so wie mindestens 10 Handtaschen. In diesem Zusammenhang kommt mir immer wieder der Spruch „Weniger ist manchmal mehr“ in den Sinn. Abgeben, entrümpeln, ausmisten macht frei; nicht nur das Haus, auch die Seele.  

Bitte nicht falsch verstehen: Das ist kein Aufruf zur Armut, es ist eine Bitte über den eigenen Überfluss nachzudenken. Die Resourcen sind auf dieser Erde definitiv schlecht verteilt. Die große Politik können wir nicht ändern, auch nicht, wenn wir fleißig zur Wahl gehen. Aber wir können bei uns selbst anfangen. Ich habe es gemacht, und es fühlt sich gut an. 

Sokrates sagte einmal, als er über den Markt ging: „Wie viele Dinge gibt es doch, derer ich nicht bedarf.“

Mit dem zufrieden sein, was man hat. Das gilt nicht nur für Materielles, auch für Lebenssituationen. Es tut weh, wenn du in der eigenen Familie siehst, wie jemand mit seinem Schicksal hadert. Besonders, wenn es keinen Weg gibt, es zu ändern. Niemand möchte seine Angehörigen leiden sehen. Oft hilft dann noch nicht mal gutes Zureden. 

Es gab einmal einen weisen Mann, der Vorträge in der ganzen Welt hielt und plötzliche durch einen Schlaganfall an den Rollstuhl gebunden war. Er schrieb in einem Artikel: I am no more a lecturer, a cellist or a golfer. I am a looking-out-of-the-window-man, but I feel nearer to God than any time before. (Ich bin kein Vortragender mehr, kein Cellist oder Golfer. Ich bin ein aus-dem-Fenster-sehender-Mann, aber ich fühle mich Gott näher als jemals zuvor.

Ich wünsche jedem, ob reich oder arm, dass er Überflüssiges abgeben kann und mit dem Schicksal, das Gott ihm gegeben hat, zufrieden ist. Dieser Wunsch richtet sich besonders an die nach Lampedusa Aufbrechenden als auch an die, die sie dann später beherbergen müssen.  

Abu Huraira, radi’allahu anhu, berichtete, dass der Prophet Muhammed, ṣallā llāhu alayhi wa-sallam, sagte: „Das Reichsein versteht sich nicht als der Besitz von vielen Gütern, vielmehr besteht das Reichsein aus der Tugend der Genügsamkeit, die sich der Mensch zu eigen macht .“ (Al-Bukhari, Kapitel: 74, Nummer: 13)

Familie ist schön, oder?

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Wenn ich von einem Kontinent zum anderen fliege, kommt es mir oft vor, als ob ich durch die Jahrhunderte reise. Bin ich in einem Land, indem die Mehrehe und die Großfamilien an der Tagesordnung sind, und 30 oder mehr Personen einer Familie auf einem Grundstück zusammenleben, ist es, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Nicht selten leben vier Generationen unter einem Dach, jeder hilft jedem, aber es gibt natürlich auch mehr Streitereien. Auf die Frage, wie die jungen Leute denn später einmal leben möchten, gibt es aber dann nur eine Antwort: In einer Kleinfamilie.
Durch die westlichen Einflüsse wie Tourismus und Fernsehen scheint ein Trend zur Individualisierung losgetreten worden zu sein.
Was früher noch überlebenswichtig war, wird heute vielen jungen Menschen oft lästig. Sei es, dass sie als Alleinverdiener eine Großfamilie ernähren müssen, oder als Arbeitsloser von einem anderen Familienmitglied abhängig sind. Individualität ist in beiden Fällen nicht möglich, doch aber so gewünscht.
Ein anderer Trend zur Individualisierung ist auch an den Namen abzulesen. Reden wir von Gambia, dem kleinsten Land auf dem afrikanischen Kontinent, stellen wir fest, dass es nicht übermäßig viel verschiedene Familien gibt, das heißt, die Menge an Nachnamen ist begrenzt. Bei den Vornamen sieht es auch nicht anders aus. In muslimischen Ländern werden die Kinder gerne nach berühmten Vorbildern benannt, und traditionell wird das erstgeborene Mädchen Fatou (Fatima) und der erstgeborene Junge Lamin (Al Amin, Beiname des Propheten Mohammed (sws)) genannt. So kommt es nicht selten vor, dass wenn du in eine Schulklasse den Namen Fatou rufst, sich schnell mal 7-8 oder mehr Schülerinnen angesprochen fühlen. Ähnlich mit Aisha (auf afrikanisch Issatou) oder Momodou (Mohammed).
Nicht viel anders verhält es sich mit den Nachnamen. Es gibt verhältnismäßig wenige Familien, die aber alle entsprechend groß sind. Und irgendwie wird man das Gefühl nie los, als ob jeder jeden kennt.
Also wieder nichts mit Individualisierung. Ein paar ganz Clevere lassen sich dann mit ihren Initialen anreden. Manchmal auch mit denen von Popstars. Nun ja. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
So manches Einzelkind in Deutschland wäre froh, wenn es ein paar Geschwister hätte. Oder vielleicht auch nicht? Zeichnet sich ja in Deutschland ein Trend ab, der zum Superindividualisten führt. Ist das gemeinsame Wohnen schon fast zur Zumutung geworden, geht Heiraten schon mal gar nicht. Das gemeinsame Erziehen der Kinder ist auch irgendwie nicht mehr “in“, obwohl es in der Arbeitsteilung um so viel einfacher wäre. So wächst ein Heer von Kindern von alleinerziehenden Hartz4-Empfängerinnen heran, da arbeiten und Kinder erziehen alleine in der Tat nicht so einfach ist. Die Kinder hätten sich das so bestimmt nicht ausgesucht.
So hören wir ständig von der Doppelbelastung der Frauen, aber was machen eigentlich die Männer in der Zwischenzeit? Arbeiten sie etwa doppelt so hart, weil sie weniger zeitliche Verpflichtungen haben?
Für mich ein Zustand einer unerträglichen Kompromisslosigkeit.
Wo ist die nette Kleinfamilie geblieben, in der alle ihre Aufgaben und die Kinder Vater und Mutter haben? Nur wenige davon schon in Afrika und nur noch wenige in Europa.
Es ist nicht zu übersehen, dass die Industrieländer die großen Vorbilder für die meisten Afrikaner sind. Lampedusa lässt grüßen. Doch warum möchte denn keiner mal genau hinsehen, dass dort auch nicht alles Gold ist, was glänzt? Mein Appell daher für heute: Verbessert das, was ihr habt, anstatt dort hinzuschauen, wo auch nicht immer alles klappt.

„Entschleunigung“- Fluch oder Segen

Stell dir vor du hast einen Termin am Dienstag um 15 Uhr, und deine Verabredung kommt am Freitag um 17 Uhr.   Ärgerlich, oder?  Im Sinne unserer schnelllebigen Welt bestimmt. Denn alles unterliegt einer gewissen Beschleunigung. Am markantesten ist wohl der Satz „Zeit ist Geld“, um diesen Umstand zu beschreiben. Doch diese Erfahrung muss man nicht überall machen. Noch gibt es Gegenden, die sehr viel entschleunigter leben als wir in Deutschland. 

Ein anderes Beispiel aus Afrika: Letztens bin ich mit meinem Sohn um 14.30 Uhr zum „Shop“ gegangen, um Lebensmittel zu kaufen, doch der „Shop“ war zu. Ein Passant sagte, der „Shopkeeper“ würde sich bis 17 Uhr ausruhen. Mein Sohn (mit deutscher Prägung) sagte darauf hin: „Aber wenn er jetzt schläft, kann er doch kein Geld verdienen!“

Doch warum erzähle ich das alles? Es geht mir heute um Lebensqualität. Zeit für sich selbst und Gespräche mit anderen zu haben, mit dem anderen zu fühlen. Selten habe ich so viel Mitgefühl erlebt, wie in weniger hoch entwickelten Ländern, in denen Krankenbesuche zu wahren Familientreffen ausarten, zu Beerdigungen und Hochzeiten das ganze Dorf kommt, und wenn ein Baby geboren wird, sind sowie so alle da, um das neue Baby zu begrüßen. 

Jetzt werden viele wahrscheinlich sagen, wie kann man den bei so viel Feierlichkeiten und Mitgefühl noch arbeiten? Ja, das ist ein berechtigter Einwand. Vielleicht ist das auch ein Grund für den langsameren Fortschritt und die insgesamt ärmeren Verhältnisse (zumindest in finanzieller Hinsicht) als in den Industrieländern. Aber worauf kommt es denn an im Leben? Geht es um wirtschaftlichen Fortschritt oder um Lebensqualität? Man könnte meinen, dass es auf einem afrikanischen Markt beispielsweise auch nur um das liebe Geld geht, so hektisch der Eindruck dort ist, doch nein, hier und dort ist immer noch Zeit für einen kleinen Plausch, und es wird viel gelacht. 

Gegenseitige private Besuche sind ein Muss. Oft kann man dann seinen Terminen nicht nachkommen und lässt andere warten, aber einen Besucher wieder weg zu schicken, das geht gar nicht. Wohlstand und Fortschritt sehen anders aus. Bei so viel Gelassenheit muss dann schon noch die Frage erlaubt sein, ob sie mit der nötigen Ernsthaftigkeit, ihr Brot verdienen. Sicher wäre bei dem einen oder anderen mehr Seriösität in der Arbeit oder bei ihren Geschäften auch lukrativer für den Geldbeutel. Doch da fängt ein anderes Problem an. Wir als ein NGO, der sich für die Verbesserung der Lebenssituation der Armen einsetzt, stehen dann immer wieder vor dem Problem, gesellschaftlich gewachsene Gewohnheiten ändern zu müssen/wollen, um ihnen mehr finanziellen Rückhalt anzubieten. Eine nicht immer leicht zu lösende Aufgabe für uns. 

So falle ich dann immer wieder beim Hin- und Her-Reisen von einem Kulturschock in den anderen. Ist mein  Aufenthalt in Deutschland von Smartfone-Nutzern um mich herum geprägt, die in Wartezimmern, der U-Bahn, beim Laufen auf der Straße, in Cafés, auf Spielplätzen und überall nur auf ihr Handy geblickt haben und keine verbale Kommunikation mehr stattfindet. Zum Vergleich mit den Krankenhausbesuchen in Afrika, habe ich in Deutschland erlebt, dass Fotos von frisch operierten Kindern noch im Aufwachraum erstmal auf Facebook gepostet wurden. Ob den Kindern das gefällt, wage ich zu bezweifeln. Persönliche Besuche waren aber eher die Ausnahme.  

Oder die Jugendlichen, die keine „echten“ Freunde mehr nach Hause bringen, sondern nur noch vituelle, die dafür aber rund um die Uhr. Diese ständige Erreichbarkeit erzeugt Stress. Wenn sogar Mitarbeiter einer Firma 24 Stunden am Tag ereichbar sein müssen oder wollen, ist die Be-schleunigung wohl auf ihrem Höhepunkt angekommen. Der so erzeugte Druck löst im schlimmsten Fall Krankheiten aus.  

So komme ich mal wieder zu dem Schluss: etwas mehr Be-schleunigung für die einen und etwas mehr Ent-schleunigung für die anderen, könnte beiden Seiten das Leben lebenswerter machen. 

Wenn geliebte Personen gehen müssen

Wenn von uns geliebte Personen diese Welt verlassen, ist das traurig. Manchmal werden sie aus dem Leben gerissen und die Trauerarbeit der Hinterbliebenen fängt dann an. In anderen Fällen, in denen das nahe Ende absehbar ist, kann eine Trauerarbeit schon vorher anfangen, bestenfalls sogar mit der Person selbst. Es ist ein Abschiednehmen auf Zeit. NIemand von uns weiß, wann seine Zeit gekommen ist, und für das, was danach kommt, hat jeder wohl seine eigene Sichtweise. 

Wir können weder an dem Zeitpunkt noch an dem Verlauf etwas ändern. Doch vielleicht haben wir die Chance, den Abschied und das Loslassen so würdevoll wie möglich zu gestalten. Ist es nicht an uns Angehörigen, bestimmte Zeichen zu erkennen? Muss die Medizin um jeden Preis Vorrang vor einem würdevollen Abreten aus dieser Welt haben? Natürlich muss ein Arzt schwören, dass er alles tut, um Menschleben zu retten. Aber um welchen Preis? Nun kommt wieder der Blick über den Tellerrand ins Spiel. 

Es ist eine schwierige Gradwanderung abzuschätzen, wie viel Medizin noch gut tut, oder ob es nicht auch besser sein könnte, weniger Medizin, dafür vielleicht ein schnelleres, aber würdevolleres Ende. In ärmeren Gegenden stellt sich diese Frage oft nicht, da sie keine Wahl haben. Nun ist man in Deutschland ja gut krankenversichtert, und hier stellt sich die Frage nicht, weil die Medizin verfügbar ist. Fehlt uns durch die Verfügbarkeit der Mittel inzwischen der Blick fürs Wesentliche, oder sind wir fremdgesteuert durch die Götter in Weiß? Sie übernehmen ja nicht die Entscheidungen, die müssen die armen Angehörigen treffen, die eben kein Medizinstudium absovliert haben.

Selbstverständlich ist es schwer, sehr schwer erstens den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, und hinterher ist man immer schlauer. Von Sterbehilfe möchte ich hier nicht sprechen, das verbietet sich für gläubige Menschen sowieso, doch wann ist der richtige Moment im Sinne der Würde des Patienten, sein Leben in Gottes Hände zu geben und die Lebenserhaltungmaschinerie aufzugeben? Ist es immer nur die Sorgen um den Patienten oder nicht ein Stück weit auch das „Nichtgehenlassenwollen“ der Angehörigen? Eine schwierige Prüfung für alle Beteiligten. Ich wünsche Allen, die in solche Situationen kommen, dass sie gemeinsam in der Familie darüber beraten können, ohne in die Fänge der Lebenserhaltungmaschinerie der Ärzte zu kommen. Gerade bei multiplen Erkrankungen können Angehörige schnell mit der Entscheidung überfordert sein, und am Ende muss der Patient einen Medikamentencocktail zu sich nehmen, dessen Nebenwirkungen ein würdevolles Leben unmöglich machen. Um wieviel schwerer fällt dann auch die Trauerarbeit, wenn wir mit ansehen müssen wie unsere Lieben leiden müssen. 

Mögen wir alle immer die richtigen Entscheidungen mit unseren Angehörigen treffen, um ihnen ein Leben oder Sterben mit größter Würde zu ermöglichen.  

Einigkeit und Recht und Freiheit

Kürzlich fragten mich meine Kinder nach dem Text der deutschen Nationalhymne. Auch ich im ersten Moment unsicher, haben wir es gemeinsam aber hinbekommen und dann auch gesungen. Beim Singen fragte ich mich dann, was singe ich hier eigentlich?

Einigkeit …. welche genau? Die Einigkeit der Politiker untereinander? Oder die des Volkes, das wechselseitig gegeneinander auf der Straße demonstriert? Ich nehme an, ich verstehe da etwas falsch und Deutschland ist ein durch und durch einiges Land und alle haben sich lieb. 

Recht …. welches hier wohl gemeint ist. Das Recht auf freie Religionsausübung, oder das Recht auf einen Kindergartenplatz, das Recht auf Gleichbehandlung im Job, beim Vermieter, oder das Recht auf bezahlbaren Wohnraum ….. Wahrscheinlich sind ja eher das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Menschenrechte damit gemeint. 

Freiheit … das hat mir besonders gut gefallen. Wie frei doch hier alle Menschen sind, die auch nur ein Stück weit von der Norm abweichen. Freiheit bei der Berufswahl, Freiheit bei der Wohnungssuche. Ganz schlimm wird es, wenn du gleich in zwei Sachen von der Norm abweichst, z.B. falsche Religion und viele Kinder, dann ist es ganz aus mit Freiheit, dann musst du nur noch nehmen was übrig bleibt. Steigerungsformen nicht ausgeschlossen. 

Vielleicht bin ich aber auch einem großen Irtum erlegen, und es ist alles gar nicht so. Schließlich heißt es in der Hymne ja auch weiter …. „danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand …“, genau wir arbeiten alle an unserer Einigkeit unseren gemeinsamen Rechten und der Freiheit für alle, denn noch mangelt es da an vielen Ecken und Enden. 

Schließlich geht es ja dann noch weiter, dass Einigkeit, Recht und Freiheit des Glückes Unterpfand sind. Im Umkehrschluss heißte es dann also, bei Nichtereichen der genannten Ziele, wird das Glück fernbleiben. Für einige Bevölkerungsgruppen würde ich das auf jeden Fall bejahen. Schade ist nur, dass in den nächsten Zeilen Deutschland im Glanze dieses Glückes blühen soll. Doch was, wenn wir es nicht erreichen? 

Me, myself and I

Sagt jemand so etwas von sich selbst, klingt es wie ein egozentrischer Hochstapler oder wie Drillinge, die sich als eine Einheit verstehen. Dabei sind es die Worte aus dem Mund meiner Teenage-Tochter, die auf der Suche nach ihrer Identität ist. Als Kind einer Mischehe (Deutschland-Gambia), in beiden Kulturen zu Hause, aber ihr eigenes Wesen wohl noch nicht gefunden. Sie und ihre Geschwister reden viel darüber, wie es wohl wäre, wenn es ein Land nur für Ihresgleichen gäbe. Dort würden sie dann die guten Seiten beider Kulturen vereinen.
Mich hat das aufhören lassen. Sind das nicht Zeichen dafür, dass sie unsicher sind und in Kulturen, in denen stark katalogisiert wird, kein Platz für halbe Sachen ist? Sie fühlen sich ausgegrenzt, ob sie nun von Geburt zwischen den berühmten Stühlen sitzen oder durch Umzug in ein anderes Land. Nur wenige machen sich bei uns überhaupt Gedanken um Kinder und Jugendliche, in deren Brust zwei Herzen schlagen, dabei könnten sie doch wirklich eine Bereicherung sein.
Vielleicht können wir es ja wirklich nicht nachvollziehen, aber sicher ist, dass jeder Mensch ein Dazugehörigkeitsgefühl, wenn nicht gar Anerkennung möchte. Können wir uns wirklich vorstellen, wie es ist, wenn wir als Jugendliche direkt oder indirekt gezeigt bekommen, dass wir nicht willkommen sind? Wie entwickelt sich wohl ein Mensch, der über einen langen Zeitraum Ablehnung erfährt?
Wir alle sind von Gott erschaffene Menschen, niemand ist besser oder schlechter als der andere, und jeder verdient eine Chance. Die Kinder werden unschuldig in die Rolle der Gastarbeiter- oder Mischlingskinder hineingeboren, kein Wunder also, wenn ihre empfundene Ablehnung in Aggression umschlägt.

Habt also ein Herz für die Kinder, die dort bzw. das sein müssen, was ihre Eltern für sie beschlossen haben. Sie können nichts dafür.

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Können Handys ethisch sein?

Also ich gebe ja zu, ich habe auch gerne neue Handys. Aber machen wir uns eigentlich Gedanken wie wertvoll oder schädlich unser Kauf für die Umwelt und die Gesellschaft ist? Achten wir nicht vielmehr darauf, ob das Handy ein schönes Design hat, alle Funktionen erfüllt, die ich erwarte oder gar welches Handy meine beste Freundin hat?

Doch vielleicht könnte man ja auch den einen oder anderen Gedanken daran verschwenden, dass die Rohstoffe für die Herstellung der Handys nur begrenzt verfügbar sind.Und was ist mit den Herstellern? Macht euch doch mal den Spaß und googlet eure Lieblingshersteller. Da wird dem einen vorgeworfen, sie würden die Rohstoffen in Sklavenarbeit abbauen lassen, einem anderen, dass er gegen ein Handelsembargo verstößt, und wieder einem anderen, dass sie in Korruptionsskandale verwickelt sind. Möchten wir so etwas unterstützen? Nicht zu vergessen, aus welchen Ländern die Firmen kommen. Je nachdem wo ihr politisch steht, könnte man ja auch einmal darüber nachdenken, welches Land ich mit meinem Neukauf da eigentlich unterstütze.

Doch was, lieber Leser, ist den jetzt die nachhaltigste Lösung für dieses Problem?

Die nachhaltigste, umweltfreundlichste und politisch korrekteste Lösung wäre wohl kein Handy. Ok, wenn das nicht geht, informiert euch nicht nur über Speicherkapazitäten und Prozessoren, sondern auch über die Firmengeschichte etc. Und, jedes neue Handy erfordert neue Ressourcen. Ein gutes gebrauchtes tut es auch. Und am Ende landen die kostbaren Rohstoffe dann voraussichtlich sowieso im Müll.

Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage lautet also ganz klar: Ja, der Kauf eines Handy ist eine höchst ethische Angelegenheit.

Der Flughafen – ein Ort der Besinnung?

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben …

Besonders Stunden auf dem Flughafen, verfehlen ihre Wirkung nicht. Da kommst du von einem Ort, voll mit Erlebnissen, guten und schlechten, die vielleicht erst noch verarbeitet werden müssen, und reist in einen anderen, der ebenso Erlebnisse, ganz anderer Natur mit sich bringt.

Und dann hängst du da auf dem Flughafen und denkst. Die Gedanken wälzen sich durch den Körper: Abschied, Erleichterung, Sorge, Vorfreude gepaart mit Langeweile, Müdigkeit. Das Gefühl, doch nicht alle Aufgaben abgeschlossen zu haben, und Sorge vor den neuen Aufgaben, die noch kommen.

Ablenkung hilft partiell, doch irgendwie kommt man aus der Nummer nicht mehr raus. Du kannst ja nicht weg. Gefangen in der Sprachlosigkeit und überflutet von Eindrücken. Egal, ob du von einem Gate zum anderen läufst, dir die Auslagen in den Geschäften ansiehst oder auf Imbiss-Suche gehst, die Gedanken gehen mit. Warten auf den Anschlussflug, und dauert es noch so lange. Geduld ist gefragt und wird von uns erwartet. Das macht uns Erwachsene schließlich aus. Wir müssen geduldig sein. Wenn ich mir die Kinder so um mich herum ansehe, sie dürfen ungeduldig sein und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Doch sie schleppen auch nicht so ein Gedankenknäul mit sich herum.

Mein Magen fing an zu rebellieren, ich hatte das Gefühl, völlig übersäuert zu sein. Entspannung muss her. Was dann immer wieder hilft, ist ein Gebet. Ich erinnerte mich an die Bedeutung des Wortes „Islam“: Hingabe in den Willen Gottes. Das Schicksal annehmen, offen sein für alles, was kommt. Das schien zu helfen. Es als eine Prüfung anzunehmen. Doch dann gibt es Jahre, in denen fragt man wieviele Prüfungen kann ein Mensch in kürzester Zeit eigentlich bestehen?

Da fiel mir ein Gedanke ein, den ich vor ein paar Tagen hatte. Ich fragte mich, warum ich mich so schwer tue mit dem Auswendiglernen, dann zweifelte ich an mir, ob ich wohl noch einmal eine Sprache lernen können, das ist mir doch früher so leicht gefallen. Dann dachte ich, vielleicht bin ich einfach zu alt für Lernstoff und Prüfungen. Doch jetzt habe ich die Erklärung: Ich gehe zur Zeit durch eine solche Menge von Persönlichkeitsprüfungen, dass für Wissensprüfungen einfach keine Kraft mehr übrig bleibt.

Doch ist das jetzt wirklich eine Erklärung oder doch nur eine Ausrede? Könnte nicht die Beschäftigung mit dem Wissen und dessen Erlangung auch eine Chance zur inneren Ruhe sein? Ein Versuch wäre es zumindest wert, sofern die Konzentration es zulässt. Es könnte sich auch als großartige Ablenkung erweisen, wenn die Gedanken mal wieder Purzelbäume schlagen.

Mein Selbstversuch hat sich als recht erfolgreich erwiesen. Zusammenfassend kann ich nur empfehlen, wenn ihr euch eine lange Wartezeit nicht mit Grübeln vermiesen wollt, versucht etwas auswendig zu lernen. Zwei Fliegen, eine Klappe. Du verstehst?

Wie organisiere ich meine Ideen

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Wer helfen will, platzt oft vor guter Ideen. Doch leider führt blanker Aktionismus meist nicht zum gewünschten Ziel. Ruhe bewahren, Ideen sortieren und aufschreiben ist nun die Devise.

Doch da geht es ja schon los. Wie bringe ich die vielen guten Ideen zu Papier, so dass ich sie später verwerten und zueinander in eine logische Abfolge bringen kann?

Dafür haben sich drei gängige Methoden bewährt. Sie können einzeln, unabhängig von einander angewandt werden oder aber auch nacheinander zur Verfeinerung der Struktur. Je tiefer die Gliederung greift, desto leichter aber auch festgelegter ist die spätere Umsetzung.

1. Die Auflistung

Bei der Auflistung werden zunächst alle Ideen unsortiert untereinander auf das Papier geschrieben. Vor jede Idee schreiben wir eine fortlaufende Nummer. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob es sich um Material, Ausführung, Finanzen, Werbung oder was auch immer handelt. Einfach alles runterschreiben. Nehmen wir an, wir haben dann 100 Stichworte auf unserem Zettel. Der nächste Schritt ist dann, die 100 Stichworte in Gruppen zu unterteilen. Die Gruppennamen ergeben sich aus den niedergeschriebenen Punkten. Am Ende sieht es dann etwa so aus:

Finanzierung
1,15,22,31,56,79
Werbung
6,23,41,59,81
…..
Dann bringen wir die Gruppen in eine logische Reihenfolge und sortieren dann die Stichpunkte innerhalb der Gruppen auch in eine zeitgemäße Abfolge der zu erledigenden Aufgaben.

Die so entstandene Liste ist ein guter Leitfaden für das erste Loslegen und ist selbstverständlich jederzeit zu verbessern und zu aktualisieren.

Vorteil dieser Methode ist, dass alle Ideen ungefiltert zu Papier gebracht werden. So geht nichts verloren, denn keine Idee ist dumm, oder es nicht wert, beachtet zu werden.

2. Die Karteikarten

Bei der Karteikartenmethode werden alle Stichworte auf Karteikarten geschrieben und anschließend in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht. Wer Platz hat, kann sie sich als Ablaufplan an die Wand pinnen. Im Handling etwas unübersichtlich, doch der Vorteil ist, dass die Karten problemlos immer wieder neu gegliedert und die Ideen jederzeit ergänzt und schon auf der Karte detaillierter dargestellt werden können.

3. Das Mind-Mapping

Das Mind-Mapping beginnt mit einem Kreis auf dem Papier, in dem der Projekttitel steht. Diese Methode erfordert dann schon eine gewisse Struktur im Denken. Denn nach diesem ersten Kreis in der Mitte folgen weitere Struktur-Ebenen mit Verzweigungen und Unterpunkten. Der Vorteil hierbei ist, dass sich sehr schnell ein Bild ergibt über Vorgehensweisen, Aufgaben und vielleicht auch Risiken, aber der Nutzer dieser Methode muss sich schon sehr früh im Klaren über Oberbegriffe und Unterpunkte und deren Zusammenhänge sein.

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Ich empfehle Methode 1 und 3 zu kombinieren. So können die Ideen fließen und anschließend in eine übersichtliche Form gebracht werden, mit der wir dann konkret weiter arbeiten können. Doch letztlich muss jeder seine eigene persönliche Form finden, mit der er seine Ideen effektiv umsetzen kann.

Probiert es aus, schließlich dient es einer guten Sache.

Schuld sind immer die anderen

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Ist es Erziehung, oder Selbstschutz wenn der Satz fällt: „Ich war’s nicht, der andere war’s.“ Ein Phänomen, dass unter Kindern üblich, bei Erwachsenen in etwas eleganterer Form jedoch auch hin und wieder zu hören ist.

Was ist eigentlich so schwer daran Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen? Wie bewußt gehen wir eigentlich noch mit unserem eigenen Handeln um. Ich liebe Menschen, die bewußt Entscheidungen treffen, sich Gedanken über ihr Tun machen und an Konsequenzen ihres Handelns denken. Doch im immer schneller werdenden Alltag geht die Reflektion über das eigene Handeln dann wohl unter. Es ist Zeit für Entschleunigung. Können wir hier vielleicht etwas von anderen Kulturen lernen?

Wie oft habe ich beobachtet und war dann auch oft peinlich berührt, wenn ich stolpere, sagt meine Begleitung „sorry“, wenn ein Stift herunter fällt „sorry“, selbst wenn du dich verschluckst „sorry“. Es ist auf jeden Fall ein Zeichen von Mitgefühl. Warum fällt es dann aber so schwer, wenn wir eine Person wirklich verletzt haben, körperlich oder seelisch, uns zu entschuldigen (Übersetzt: uns unserer Schuld zu entledigen) und zuzugeben, dass wir einen Fehler gemacht haben.

Im Geschäftsleben kann man dafür ganz klassische Beispiele finden. Wer schon einmal in einer Mahnabteilung gearbeitet hat weiß, wovon ich rede.

Ein Kunde zahlt nicht, erste Mahnung, zweite Mahnung, dritte Mahnung. Nichts passiert. Dann kommt in der Regel ein Inkassoverfahren mit Pfändungsbeschluss. Für alle Seiten höchst unangenehm. Von guten Kommunikationstrainern habe ich gelernt, wie es auch anders gehen kann. Spätestens nach der 2. Mahnung greift man zum Telefon und ruft den säumigen Kunden an. Da auch für ihn die Sache normalerweise höchst unangenehm, wenn nicht gar peinlich ist, reagieren sie eher kleinlaut. Würden wir jetzt mit der Haudrauf-Methode kommen, fühlt sich unser Kunde in die Ecke gedrängt und würde zurück poltern. Wenn ich jetzt aber für ihn unerwartet reagiere und mich für seine Probleme interessiere, im gar Hilfe anbiete (ohne mein eigenliches Ziel aus den Augen zu verlieren), werden die säumigen Zahler in der Regel schnell kooperativ und bieten von sich aus Lösungen an.

Dieses Beispiel zeigt, auch wenn wir in Schwierigkeiten stecken, gibt es immer einen liebevollen Weg hinaus. Kein Mensch wurde perfekt geboren. Wir alles sind hier auf dieser Erde, um zu lernen, ein Leben lang. Vielleicht kostet es am Anfang etwas Überwindung, doch letztlich siegt das schöne Gefühl der Empathy, das wir bei dem anderen auslösen, wenn wir sagen, „ja, ich habe einen Fehler gemacht, Entschuldigung“. Die Sympathien sind dann ganz bestimmt auf unserer Seite.

So, und nun entschuldige ich mich dafür, dass ich deine Zeit in Anspruch genommen habe und bedanke mich dafür, dass du zu Ende gelesen hast.