Schlagwort-Archive: Lampedusa

„Nähen statt Lampedusa“ startet durch (mit Diashow)

Am 1. November haben wir unsere Nähschule eröffnet! Oh my God. Was haben wir gelitten, um dieses Nähschule zum Laufen zu bringen. Erst das Hin und Her mit dem Ladenlokal, dann konnten wir keine Schüler finden, weil sich unter den Jugendlichen verstärkt die Meinung breit macht „Lieber warte ich Jahre auf die Chance nach Europa zu kommen, als auch nur einen Finger krumm zu machen“.

Was haben wir alles versucht. Wir haben ein Meeting mit unseren Witwen gemacht, um ihre Söhne für das Projekt zu gewinnen, wir haben mit Lokalpolitikern gesprochen, im Bekanntenkreis herumgefragt, und gerade als wir uns an die Radiostationen wenden wollten, ging es plötzlich los mit den Anmeldungen, und auch ein männlicher Lehrer stellte sich vor. Von da an lief alles wie am Schnürchen. Da wir jetzt schon mehr als 10 Schüler haben, fahren wir sogar 2 Schichten morgens und nachmittags.

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10 Gründe warum Gambier unbedingt nach Europa wollen

Diesen Artikel widme ich meinem Schwager Habib, der mit 30 Jahren sein Leben im Mittelmeer vor Lampedusa verlor. Wir haben alles versucht, ihn davon abzuhalten, doch leider ohne Erfolg. Seitdem haben wir viele Gespräche mit anderen Ausreisewilligen geführt, um ihre Beweggründe und ihre Hoffnungen besser zu verstehen und ihnen vielleicht Alternativen anbieten zu können.

Gambia hat 1,8 Mio. Einwohner. Jährlich verlassen etwa 9000 junge Männer das Land, um durch die Wüste nach Libyen, über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen. Nigeria beispielsweise hat 100x mehr Einwohner und auch von dort machen sich ebenfalls 9000 Männer jährlich auf den Weg.

Für Nigeria kann ich nicht sprechen, aber warum die Gambier gehen, davon konnte ich mir jetzt ein Bild machen, das ich gerne mit euch teile. Je mehr Menschen über die Motive informiert sind, desto besser können wir vielleicht helfen, sie davon abzuhalten. Allerdings müsste sich dazu wohl die Gesamtsituation im Land verbessern. Die Abwanderungsbeteitschaft ist bei vielen so hoch, dass selbst Versprechen für eigenes Geschäft oder ähnliches nicht mehr wirken. Es ist wie ein Virus, der die Männer befällt, von dem sie nicht mehr geheilt werden können.  10 Gründe warum Gambier unbedingt nach Europa wollen weiterlesen

Nähen statt Lampedusa Teil II

Frau Merkel reist durch Afrika und versucht den Afrikanern zu erklären, dass Europa nicht so ist, wie sie sich das vorstellen. Sie bleibt ein paar Stunden an einem Ort, hält eine Rede, und weg ist sie wieder. Schönes Schauspiel. Wir reden uns hier jahrelang den Mund fusselig und kommen gegen den Europavirus nicht an.

Wie in der eigenen Familie erlebt, hält selbst ein Angebot, ihnen einen Laden einzurichten, die ganz Hartnäckigen nicht davon ab, ihr Leben zu riskieren. Dennoch wollen wir nichts unversucht lassen, vielleicht doch einige Leben zu retten, in dem wir den jungen Männern eine Ausbildung zum Schneider anbieten. Das ist natürlich auch keine Garantie, aber ein Anfang. Die Idee ist folgende:

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Nähen statt Lampedusa

Wisst ihr wieviele Einwohner Nigeria hat? Etwa 160 Millionen. Und wieviele Einwohner hat Gambia? Etwa 1,8 Millionen. Nigeria hat also etwa 100x mehr Einwohner als Gambia. Richtig? Doch leider verlassen jedes Jahr ebenso viele (ca. 9000) meist junge Männer  Gambia wie Nigeria, um in das ach so viel versprechende Europa auszuwandern. 

Doch was erwartet sie dort? Eine Arbeitserlaubnis? Wohlstand? Eine geregelte Arbeit? Wohl kaum. Gambia befindet sich nicht im Krieg, und auch gab es nie einen Fall von Ebola dort. Warum sollte Deutschland also Gambianer aufnehmen, wenn sie doch mit den Kriegsflüchtlingen schon alle Hände voll zu tun haben?

Leider ist die Information bei den Betreffen noch nicht angekommen. Sie schauen sich Spielfilme aus Europa und Amerika und denken, dass sie genau so ein Leben erwartet, wenn sie in ihr Land der Wahl gehen. Es ist ein Phänomen. Ist ein junger Mann vom Europa-Virus befallen, nützt alles reden und anbieten nichts. Wie oft haben wir versucht mit den berühmten „Engelszungen“ auf sie einzureden. Es ist als ob man gegen eine Wand spricht. 

Die Situation scheint so vertrackt, dass es unser dringendes Bedürfnis ist, etwas dagegen zu tun. Da das Wort Auswegslosigkeit immer wieder fällt, keine Arbeit, kein Geld, damit keine eigene Familie, keine Unterstützung für die Eltern … und dann die Filme aus den reichen Ländern, in denen alles so leicht aussieht und so erfolgreich scheint. Was liegt da näher als auch aufzubrechen. Leider liegt Europa aber nicht so nahe, da ist noch eine Wüste dazwischen, und ein Meer, die mittlerweile Tausende von Toten beherbergen. Auch unserer Familie ist dieses Schicksal nicht erspart geblieben. An dieser Stelle möchte ich noch einmal das Buch „Bilal, als Illegaler auf dem Weg nach Europa“ von Fabrizio Gatti empfehlen. Er hat sich als „weißer“ Italiener auf den gleichen Weg begeben, wie fast alle der vielen West-Afrikaner. Aus seiner Feder entstand die hervorragende Beschreibung, was auf diesem beschwerlichen Weg wirklich passiert. Es vermittelt tiefe Einblicke in die komplexe Problematik und dennoch spannend geschrieben. Sehr lesenswert. 

Umso wichtiger erschien es uns jetzt aktiv Hilfe zu leisten. Da Schneider hier ein reiner Männerberuf ist, haben wir uns überlegt, eine Nähwerkstatt zu eröffnen. Vielleicht können wir dem einen oder anderen eine Zukunft in Gambia geben, dass er sich nicht auf diesen gefährlichen Weg begeben muss.  

Zu diesem Zweck sind uns bereits 8 Nähmaschinen gespendet worden, von denen 6 schon im Lande sind. Die Maschinen sind elektrische Nähmaschinen nach europäischem Standard. Die Maschine, die ihr unten auf dem Bild seht, ist der übliche „gambian Style“ mit Fußantrieb und ohne Strom. Auch Kartons mit einer Erstausstattung von Stoffen und Garnen steht bereit.  Ein Laden ist auch schon angemietet. Jetzt brauchen wir nur noch Möbel und einen Lehrer, dann kann das Projekt starten. Mit monatlich 200€ für die Miete, den Lehrer, Strom und Verbrauchsmaterial und einmalig 300€ für die Einrichtung könnten das Projekt starten. Für Fragen und Anregungen, meldet euch bitte unter mail(at)helpthepoor.de

Wer uns helfen möchte, kann es hier tun: 

HELP THE POOR AND THE NEEDY e.V.

IBAN: DE47100205000003291200